Trotz Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Berlusconi ignoriert Kruzifix-Urteil
zuletzt aktualisiert: 06.11.2009 - 17:03Rom (RPO). Der Mann macht seine eigenen Gesetze: Trotz des Kruzifix-Urteils des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs sollen in Italiens Schulen laut Ministerpräsident Silvio Berlusconi auch künftig Kreuze hängen. Das Urteil werde der Realität nicht gerecht, so der 73-Jährige.
"Es ist kein zwingendes Urteil; es gibt keine Zwangsmöglichkeit, die uns daran hinderte, die Kreuze in den Klassenzimmern zu behalten", sagte der italienische Regierungschef laut Tageszeitung "Corriere della Sera" (Onlinedienst vom Freitag).
Man könne nicht umhin, Europa und insbesondere Italien als christlich zu bezeichnen. Berlusconi erinnerte daran, dass er 2003 als EU-Ratspräsident für eine Erwähnung der jüdisch-christlichen Wurzeln in einer künftigen EU-Verfassung optiert habe. "Wenn es etwas gibt, dem auch ein Atheist zustimmen kann, ist es, dass dies unsere Geschichte ist", sagte Berlusconi.
Der Menschenrechtsgerichtshof hatte am Dienstag einer italienischen Klägerin Recht gegeben, die im Kruzifix in öffentlichen Schulen eine Einschränkung des Erziehungsrechts der Eltern und der Religionsfreiheit sah. Italiens Regierung beauftragte in einer Kabinettssitzung am Freitag Außenminister Franco Frattini, eine Wiederaufnahme des Verfahrens vor der Großen Kammer des Gerichts zu beantragen.
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