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Skandal in Italien
Berlusconi-Zeitung verkauft "Mein Kampf" mit Samstagsausgabe

Berlusconi-Zeitung verkauft "Mein Kampf" mit Samstagsausgabe
"Il Giornale" bot seine Samstagsausgabe zum erhöhten Preis mit dem Nachdruck der 1939 erschienenen italienischen Ausgabe von Hitlers Kampfschrift von 1938 an. FOTO: dpa, mbk kde shp
Rom. Die konservative Mailänder Zeitung "Il Giornale" hat Adolf Hitlers "Mein Kampf" seiner Samstagausgabe beigelegt und damit einen politischen Skandal in Italien ausgelöst. Das Blatt gehört Paolo Berlusconi, dem Bruder des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Die Veröffentlichung erfolgte mitten im Kommunalwahlkampf. Die heftigste Kritik kam von der regierenden Demokratischen Partei (PD). "Ich find es abscheulich, dass eine italienische Zeitung heute Hitlers Mein Kampf verschenkt", schrieb Ministerpräsident Matteo Renzi (PD) auf Facebook. Der Mailänder PD-Bürgermeisterkandidat Giuseppe Sala sprach von Schande und einer Beleidigung aller, die gelitten hätten. Er sei froh, eine solche Zeitung gegen sich zu haben. Die Parlamentspräsidentin Laura Boldrini rief über Twitter zur Achtung der Erinnerung an den Holocaust auf.

Hitlers Kampfschrift soll das Böse verständlich machen 

"Il Giornale" bot seine Samstagsausgabe zum erhöhten Preis in Kombination mit dem Buch "Aufstieg und Fall des Dritten Reichs" des US-Journalisten William L. Shirer und einem Nachdruck der 1939 erschienenen italienischen Ausgabe von Hitlers Kampfschrift von 1938 an. Es gehe darum, das Böse zu studieren, um zu verhindern, dass es erneut passiere, schrieb Chefredakteur Alessandro Sallusti in einem Leitartikel.

Der Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden in Italien, Renzo Gattegna, sah das anders. Die Veröffentlichung sei "Lichtjahre von aller Logik des Studiums der Schoah und der unterschiedlichen Faktoren entfernt, die die ganze Menschheit in einen bodenlosen Abgrund von Hass, Tod und Gewalt versinken ließen", erklärte er.

Sallusti erklärte zu seiner Verteidigung, dass "Il Giornale" nur dasselbe tue wie das Institut für Zeitgeschichte in München, nachdem die Urheberrechte an Hitlers Buch erloschen seien. Das Institut hatte eine umfassende wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe zum Ziel, das die Thesen und Absichten Hitlers deutlich machen und die Folgen aufzeigen soll.

(dpa/jeku)
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