Gerüchte über Freikauf zurückgewiesen: Betancourt: Befreiung war echt!
zuletzt aktualisiert: 05.07.2008 - 13:58Bogotá (RPO). Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt ist von der Echtheit des Befreiungsmanövers des kolumbianischen Militärs überzeugt. Gerüchten, nach denen sie für einen zweistelligen Millionenbetrag von den Farc-Rebellen freigekauft wurde, wies die langjährige Geisel zurück. Man könne sie nicht so leicht täuschen, sagte Betancourt.
Betancourt sagte in Paris, sie zweifele nicht an der Echtheit der Aktion. "Bei der Militäroperation wurde der FARC-Kommandant, der seit Jahren für mich zuständig war, überwältigt", sagte sie. "Er lag auf dem Boden, die Hände auf dem Rücken, die Augen verbunden, der Mund zitterte. Wer das gesehen hat weiß, dass die Operation keine Inszenierung gewesen sein kann."
Ein Schweizer Radio hatte berichtet, die spektakuläre Befreiungsaktion sei inszeniert gewesen, und die Geiseln seien nach Zahlung von Lösegeld freigelassen worden. Dazu erklärte Verteidigungminister Santos, wenn Geld geflossen wäre, wäre er der erste, der es zugeben würde.
Auch der Anwalt eines bei der Aktion festgenommenen Farc-Kämpfers bestätigt diese Version. Der örtliche Komandant, genannt Cesar, sei von der Operation vollkommen überrascht worden. Er habe die Täuschung erst im Hubschrauber bemerkt. "Er hat mir gesagt, dass er geschlagen wurde und dass sie ihm mehrere Injektionen gegeben haben", sagte der Anwalt Rodolfo Rios. Cesar wurde am Freitag den Medien vorgeführt. Er hatte ein blaues Auge und Blutergüsse im Gesicht, wollte aber nicht sagen, wer ihn geschlagen hatte.
Der kolumbianische Militärgeheimdienst schaffte eine perfekte Illusion: Die Befreier der FARC-Geiseln trugen T-Shirts mit einem Aufdruck von Che Guevara, sprachen mit ausländischem Akzent und hatten einen Kameramann dabei. Die Rebellen hatten keinen Zweifel daran, dass ihre Geiseln zu Gesprächen über einen Gefangenenaustausch in ein anderes Lager geflogen werden sollten. Ein Video, das die kolumbianische Regierung veröffentlichte, zeigt die Freude und Überraschung der 15 Geiseln, als sie nach Jahren endlich frei sind.
Die Rebellen sollten an eine humanitäre Mission glauben. Ganz bewusst wurden zwei Geiselübergaben nachgestellt, die der venezolanische Präsident in diesem Jahr vermittelt hatte. Damals hatten Mitarbeiter des Roten Kreuzes in venezolanischen Hubschraubern die sechs Gefangenen abgeholt.
Die kolumbianischen Streitkräfte überließen nichts dem Zufall. Die vermeintlichen Gesandten hätten Sprachunterricht erhalten und schließlich mit italienischem, arabischem, spanisch-karibischem oder australischem Akzent gesprochen, "wie Crocodile Dundee", sagte Verteidigungsminister Juan Manuel Santos am Freitag auf einer Pressekonferenz.
"Bei den letzten beiden Geiselübergaben war immer ein Kameramann von Chavez dabei", erklärte der Minister weiter. Dieser vermeintliche Kameramann trug sogar das gleiche rote T-Shirt, während er einem Kämpfer Fragen stellte. Doch der örtliche Kommandeur Cesar verweigerte ein Interview. Die Kamera zeigt auch Ingrid Betancourt mit verärgerter Miene und den Amerikaner Keith Stansell. "Ich liebe meine Familie", sagte Stansell, einer von drei befreiten Amerikanern. "Beten Sie."
Mehrere Rebellen standen in einer Reihe am Boden, als der Hubschrauber abhob. Mit an Bord waren Cesar und ein weiterer Kämpfer, die von den Soldaten überwältigt wurden. Diesen Moment fing die Kamera allerdings nicht ein. Die letzten Bilder des dreiminütigen Videos zeigen vielmehr die überschwängliche Freude der Befreiten. Die 2002 verschleppte Betancourt weinte vor Freude und umarmte William Perez. "Wir haben zehn Jahre auf euch gewartet", rief der Stabsgefreite Perez, der im März 1998 von den FARC entführt wurde.
Santos erklärte, ein US-Aufklärungsflugzeug habe die Operation aus der Luft beobachtet. Nach US-Angaben waren die Hubschrauber russischer Bauart auch mit einem Sender und Mikrofonen ausgerüstet, um den Ablauf der Aktion überwachen zu können.
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