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panorama nargis aus dem All NASA/JPL 2008-05
  Foto: NASA/JPL
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Verzweifelte Suche nach Wasser und Essen: Birma droht laut UN neuer Zyklon

zuletzt aktualisiert: 14.05.2008 - 07:38

Bangkok (RPO). Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" droht dem schwer verwüsteten Birma schon wieder ein Wirbelsturm. Das teilten die Vereinten Nationen am Mittwoch in Bangkok mit. Die Zustände in dem gebeutelten Land werden unterdessen immer schlimmer, bei den Hilfsorganisationen bleiben die Spenden aus.

Das Sturmwarnzentrum des US-Verteidigungsministeriums habe mitgeteilt, dass es in der Region "sintflutartige Regenfälle" gebe "und dass sich ein Zyklon bilden könnte", sagte die UN-Sprecherin Amanda Pitt am Mittwoch in Bangkok.

Ein neuer Sturm über Birma werde sich jedoch nicht zwangsläufig ereignen. Zugleich wies Pitt darauf hin, dass die bevorstehenden Monsun-Regen die Hilfseinsätze weiter erschweren würden. "Es ist schrecklich. Das ist immer noch eine weitere Sorge", sagte sie.

Verzweifelte Suche nach Wasser und Essen

Mit bloßen Händen suchen sie in faulig stinkenden Gewässern nach kleinen Fischen und Krabben. Auf den Straßen laufen sie jedem Auto hinterher, in der Hoffnung auf etwas Essbares oder eine Flasche Wasser. Kinder sind am schwersten von den Folgen des verheerenden Wirbelsturms "Nargis" in Birma betroffen.

Fast die Hälfte der zehntausenden Todesopfer sind Kinder, zahllose wurden durch den Zyklon zu Waisen oder suchen verzweifelt nach ihren Eltern. Dass die Katastrophe so viele Kinder getroffen hat, liegt auch an der Bevölkerungsstruktur Birmas. Nach Angaben der Hilfsorganisation Save the Children sind in Birma rund 40 Prozent der Menschen unter 18 Jahre alt.

Bei starken Überschwemmungen und Winden von bis zu 200 Stundenkilometern sind Kleine und Schwache besonders gefährdet. Viele hatten nicht die Kraft, gegen die plötzlich ansteigenden Wassermassen anzukommen, als "Nargis" das Land verwüstete. "Kinder sind viel verwundbarer", sagt der Sprecher von Save the Children, Dan Collinson. Unzählige leblose Kinderkörper waren auf den ersten Bildern der Verwüstung zu sehen, wie sie auf Gewässern trieben oder sich in Bäumen verfangen hatten. Durch den Zyklon wurden auch 3000 Schulen in dem südostasiatischen Land zerstört.

Betreuungszentren für Minderjährige eingerichtet

Von den überlebenden Kindern sind viele durch die Katastrophe und den Verlust ihrer Familie traumatisiert. "Wir haben Berichte über 300 Kinder, die in einem Camp leben," sagt Kathryn Rowe von Save the Children. Sie alle hätte ihre Eltern im Sturm verloren. Ob die Eltern tot sind oder nach ihrem Nachwuchs suchen, ist nicht bekannt. Die Kinderhilfsorganisation Word Vision richtete in den Katastrophengebieten 37 Betreuungszentren für Minderjährige ein und hilft ihnen bei der Suche nach ihren Eltern.

Neben den seelischen Wunden haben die Kleinen zunehmend gegen Infektionskrankheiten zu kämpfen. Verschmutztes Wasser und der Mangel an Nahrung machen vor allem den Jüngsten zu schaffen, da sie schwächere Immunsysteme haben. Schätzungen der UNO zufolge leidet bereits eins von fünf Kindern in den von "Nargis" betroffenen Gebieten unter Durchfall.

Als wäre all' das noch nicht schlimm genug, berichten Hilfsorganisationen nun auch von Menschenhändlern in dem Katastrophengebiet. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF wurden bereits zwei Verdächtige festgenommen. In der vergangenen Woche sei ein Mittelsmann in eine Notunterkunft gekommen und habe versucht, Kinder zu rekrutieren, berichtet UNICEF-Mitarbeiterin Anne-Claire Dufay. Die Polizei griff jedoch ein. "In solch einer Situation ist es für Menschenhändler leicht, sich Kinder zu schnappen und sie zu überzeugen, dass sie woanders ein besseres Leben haben könnten", sagt Katy Barnett von Save the Children. Leider komme das nach solchen Katastrophen sehr häufig vor.

Geringes Spendenaufkommen

Trotz der hohen Opferzahl nach dem Wirbelsturm in Birma ist das Spendenaufkommen bislang gering, wie Sprecher der großen Hilfsorganisationen der "Frankfurter Rundschau" zufolge sagten. Die Spender seien misstrauisch, ob das Geld den Menschen in dem abgeschotteten Land auch wirklich helfe.

So stünden die aktuell bei der Caritas eingegangenen Spenden von knapp 100.000 Euro "in keiner Relation" zur benötigten Hilfe, wird Achim Reinke von Caritas International zitiert. "Das reicht gerade mal für 1.500 Zeltplanen." Bald beginne in Birma die Regenzeit, und man wolle bis Ende dieser Woche 50.000 Menschen erreichen. "Wir finanzieren das aus unseren Beständen", sagte Reinke.

Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen erhält viel weniger Spenden als etwa bei der Tsunami-Katastrophe 2004. Nur "mehrere tausend Euro" habe man bislang bekommen, sagte ein Sprecher den Angaben zufolge. Beim Roten Kreuz waren es bis Dienstag erst 280.000 Euro Spendengeld.

Die Hilfsorganisationen widersprachen dem Eindruck, dass die Hilfe nicht ins Land komme. "Unsere einheimischen Mitarbeiter waren ab dem ersten Tag im Einsatz", sagte Caritas-Sprecher Reinke. Sie hätten Leichen geborgen, Wasser gekauft, sowie Decken und Nahrungsmittel für die Überlebenden bereitgestellt.

Simone Pott, Sprecherin der Welthungerhilfe, sagte der Zeitung zufolge, ihre Organisation habe sofort Reis und Notunterkünfte verteilen können. Zwar könne man nicht mit Fahrzeugflotten anrücken, aber man unterstütze "einheimische Organisationen, die gute Arbeit machen". Anders als derzeit medial vermittelt, sei Birma für Helfer "kein Niemandsland". Ein gutes Dutzend ausländischer Organisationen sei dort seit Jahren tätig, die Welthungerhilfe beispielsweise seit 2002.

Quelle: ap

 
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