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Nach Zyklon "Nargis": Birma: Jetzt breitet sich die Cholera aus

zuletzt aktualisiert: 16.05.2008 - 18:28

Berlin (RPO). Die Lage der Menschen im Katastrophengebiet in Birma spitzt sich immer weiter zu. Seuchen breiten sich aus. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten von ersten Cholera-Fällen. Inzwischen hat die Regierung die offizielle Zahl der Toten auf 78.000 nach oben korrigiert.

Laut einer Meldung des staatlichen Fernsehens vom Freitagabend wurden bislang 77.738 Todesopfer registriert. Dies war fast doppelt so viel wie die zuvor von der Militärregierung bestätigten 43.318 Toten. Das Rote Kreuz hält allerdings eine Zahl von bis zu 128.000 Toten für möglich. Am Freitag traf das erste DRK-Flugzeug mit Hilfsgütern in Birma ein.

Trotz der weiterhin massiven Behinderung durch die Militärjunta kommen die Spenden für die Zyklon-Opfer bei den Betroffenen an, wie Hilfsorganisationen versichern. Die erste DRK-Maschine landete am Freitag um 14.10 Uhr deutscher Zeit in Rangun.

An Bord befanden sich unter anderem sechs Anlagen zur Aufbereitung von täglich 225.000 Litern Trinkwasser. Außerdem sollen Decken, Kochgeschirr, Zelte und Reinigungstabletten für Wasser verteilt werden.

"Weite Teile des Landes unter Wasser"

Angesichts des bevorstehenden Monsun-Regens rief die "Aktion Deutschland hilft" zu noch größerer Spendenbereitschaft auf. Bislang habe man 1,95 Millionen Euro Spenden erhalten. "Aber angesichts der Tatsache, dass so vielen Menschen geholfen werden muss, wird das nicht ausreichen", sagte Geschäftsführerin Manuela Roßbach. "Weite Teile des Landes stehen unter Wasser und jetzt kommt der Monsun, danach der Hunger", sagte Roßbach. Wenn jetzt nicht geholfen werde, stehe die nächste Katastrophe bevor.

Im Bündnis "Aktion Deutschland hilft" sind zehn Hilfsorganisationen versammelt, die nach Katastrophen schnelle Hilfe leisten. Unter anderem dabei sind die Johanniter Unfall-Hilfe, der Malteser-Hilfsdienst und World Vision Deutschland. Roßbach wies darauf hin, dass einige der Hilfsorganisationen bereits vor der Katastrophe im Land waren und daher direkt danach auch hätten helfen können.

Eine Million Wasserentkeimungstabletten verteilt

Die Geschäftsführerin verwies darauf, dass das Bündnis 65 Tonnen Reis und über eine Million Wasserentkeimungstabletten verteilt habe. Zudem seien Decken, Plastikplanen, Kochgeschirr und Kleidung vergeben worden. Die Malteser leisteten medizinische Hilfe.

Der Medienkoordinator der Aktion, Moritz Wohlrab, betonte, die Meinung, es könne nicht geholfen werden, sei fatal. "Das ist nicht der Fall. Es wird Hilfe geleistet, und die Hilfe kommt an."

Die Malteser helfen nach eigenen Angaben mehr als 50.000 Überlebenden des Zyklons. Die Welthungerhilfe kündigte an, in den kommenden Tagen weitere 40.000 Menschen mit dringend benötigten Lebensmitteln zu versorgen.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) befürchtet, dass eine Million Kinder im Katastrophengebiet auf Hilfe angewiesen sind. Die Organisation habe allein in Deutschland bisher rund 700.000 Euro für die Soforthilfe in Birma an Spenden bekommen.

Polenz: Verhalten der Regierung nicht akzeptabel

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Ruprecht Polenz, kritisierte: "Wenn ein Land sichtlich überfordert ist, das Leben seiner Bürger nach einer solchen Katastrophe zu schützen, dann muss ein Land internationale Hilfe akzeptieren."

Das Verhalten der Regierung sei "nicht nachvollziehbar und auch in keiner Weise akzeptabel", betonte der CDU-Politiker, der auch Kuratoriums-Mitglied der "Aktion Deutschland hilft" ist.

Quelle: ap

 
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