Lage laut Augenzeugen immer schlimmer: Birma: Militärregime gibt politischem Druck nach
zuletzt aktualisiert: 11.05.2008 - 20:07Brüssel (RPO). Das Militärregime in Birma gibt dem politischen Druck offenbar nach: Die Militärjunta hat die Einschränkungen für ausländische Helfer gelockert. Und dies scheint bitter notwendig; denn viele Augenzeugen zeichnen ein immer düsteres Bild von der Lage in den Krisenregionen des Landes.
Nachdem der Zyklon "Nargis" Birma verwüstet hatte, blockierte die Junta die Einreise internationaler Hilfsorganisationen zunächst weitgehend - bis jetzt: Einige Hilfskräfte aus dem Ausland seien auch in die am schwersten betroffenen Gebiete hineingelassen worden, berichtete Alexander Richter vom Johanniter-Hilfswerk aus Rangun am Sonntag in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP. Auch deutsche Mitarbeiter der Johanniter hätten die Militärkontrollen passieren können.
Die EU-Kommission begrüßte den Fortschritte beim Zugang humanitärer Hilfe in Birma. Zugleich drängte EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel am Sonntag aber auf eine weitere Öffnung des Landes. Die Kommission sei bereit, mehr Gelder für die Opfer der Wirbelsturmkatastrophe bereit zu stellen.
Die birmanischen Behörden müssten allerdings mehr professionelle Helfer zur Versorgung der Opfer in den betroffenen Gebieten ins Land lassen, erklärte Michel. Andernfalls seien die Hilfsgüter "nicht von großem Nutzen". Das Leben hunderttausender Menschen sei in Gefahr und eine "massive internationale Hilfsaktion" im Irawadi-Delta zur Rettung dieser Menschenleben nach wie vor erforderlich.
Seuchen befürchtet
Unterdessen landete am Sonntagabend (Ortszeit) ein Flugzeug der Vereinten Nationen mit 30 Tonnen Hilfsgütern in Birmas größter Stadt Rangun. Nach Angaben einer Sprecherin des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) befanden sich an Bord des Airbus A300 unter anderem eine Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser, Zelte, Planen und Decken. Zuvor war bereits ein griechisches Militärflugzeug mit Zelten, Decken und Medikamenten an Bord in Rangun gelandet, wie das Außenministerium in Athen mitteilte.
Die Hilfe ist bitter notwendig: Helfer und Augenzeugen zeichnen ein immer düstereres Bild von der Lage in Birma. Eine Woche nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" sieht die Hilfsorganisation Oxfam durch Seuchen das Leben von mehr als 1,5 Millionen Menschen in Gefahr. Das Technische Hilfswerk (THW) nennt die Zerstörungen durch den Sturm schlimmer als die der Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004. Die Diakonie Katastrophenhilfe berichtet von chaotischen Zuständen bei der Verteilung der Hilfsgüter.
Unhygienische Bedingungen
Die internationale Hilfsorganisation World Vision berichtete von Zehntausenden Menschen, die auf der Suche nach Lebensmitteln und einer Unterkunft die Katastrophengebiete verlassen hätten. Die Flüchtlinge lebten in behelfsmäßigen und völlig überfüllten Unterkünften unter unhygienischen Bedingungen.
Viele fänden auf der Flucht keine Unterkunft; das Wasser sei von Salz, Exkrementen und Kadavern verunreinigt. Vor allem Kinder litten an Fieber, Durchfall und Atemwegserkrankungen. Der Lutherische Weltbund mahnte, das Ausmaß der Katastrophe erfordere eine internationale Reaktion wie nach dem Tsunami 2004.
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