Zweite Katastrophe befürchtet: Birmas Regierung verteilt verfaulten Reis
zuletzt aktualisiert: 13.05.2008 - 19:55Genf (RPO). Die Lage in den vom Zyklon "Nargis" zerstörten Gebieten in Birma spitzt sich immer weiter zu. Angeblich bunkert die Militärregierung Lebensmittel aus dem Ausland und verteilt stattdessen Kekse und verfaulten Reis. Die Vereinten Nationen warnen unterdessen vor einer humanitären Katastrophe. Nur rasche Hilfsaktionen könnten helfen.
Nach Berichten des amerikanischen Nachrichtensenders CNN sollen Angehörige der birmesischen Militärregierung dabei beobachtet worden sein, wie sie Lebensmittel aus dem Ausland bunkerten statt sie an die Bevölkerung weiterzuleiten. Die Zyklon-Opfer erhielten stattdessen geschmacklose Kekse und verfaulten Reis.
Im Falle einer weiteren Verzögerung internationaler Hilfseinsätze für Birma befürchten die Vereinten Nationen eine dramatische Verschlechterung der Lage im Zyklon-Gebiet. Nur eine konzertierte und rasche Hilfsaktion könne eine zweite Katastrophe verhindern, erklärte eine Sprecherin des zuständigen UN-Büros am Dienstag in Genf.
Der Hilfseinsatz müsse mit dem nach dem Tsunami vergleichbar sein, sagte Elisabeth Byrs. Auch Generalsekretär Ban Ki-Moon warnte vor den Folgen: "500.000 Menschen in Birma läuft die Zeit davon", sagte er laut CNN.
Die internationalen Hilfsorganisationen und die UN hätten auch China nach dem verheerenden Erdbeben Hilfe angeboten. Die Regierung in Peking brauche diese Unterstützung jedoch vermutlich nicht, da sie auf eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Naturkatastrophen zurückgreifen könne, sagte Byrs. China habe am Montag schnell und professionell auf die Katastrophe reagiert. Bei dem Erdbeben der Stärke 7,9 kamen nach bisherigen offiziellen Angaben etwa 12.000 Menschen ums Leben.
Die Vereinten Nationen sowie internationale Hilfsorganisationen könnten sich hauptsächlich auf einen Einsatz in Birma konzentrieren, erklärte Byrs. Eine Luft- oder Seebrücke zur Einfuhr von Hilfsgütern müsse nun schnellstmöglich errichtet werden. Die in dem südostasiatischen Land herrschende Militärjunta hat begonnen, Lieferungen aus dem Ausland anzunehmen.
Hilfseinsätze im besonders betroffenen Irrawaddy-Delta gelten jedoch wegen der heftigen Überschwemmungen und der Zerstörung der Infrastruktur als sehr schwierig.
Die Vereinten Nationen hätten bislang Zahlungen für Birma in Höhe von 33 Millionen Dollar (21 Millionen Euro) registriert, weitere 43 Millionen Dollar seien zugesagt worden, hieß es am Dienstag in Genf. Aus einem Fonds für Naturkatastrophen stellten die UN zusätzlich 20 Millionen Dollar (13 Millionen Euro) bereit.
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