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panoramam birma flüchtlingslager 2008-0523
  Foto: AFP
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Viele Wirbelsturm-Überlebende sind traumatisiert: Birmas verborgene Wunden

zuletzt aktualisiert: 23.05.2008 - 16:43

Bangkok (RPO). Neben den tausenden Toten, die der Wirbelsturm Nargis in Birma gefordert hat, gibt es zahllose Opfer, die noch immer auf Hilfe warten: hunderttausende Überlebende. Mütter stillen ihren Nachwuchs nicht mehr, Kinder haben das Lachen verlernt, ganze Familien sitzen unter Schock in den Trümmern ihrer Häuser - psychologische Hilfe für sie läuft nur schleppend an.

Denn angesichts der enormen Probleme bei der Versorgung der Hilfsbedürftigen mit Grundnahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten, bleiben die vielen psychischen Wunden zunächst weitgehend unbehandelt. "Eine ganze Dimension der Katastrophe wurde weitgehend ignoriert, sagt der Sprecher des Europäischen Büros für humanitäre Hilfe (ECHO), Heinke Veit.

Sue Wardell vom britischen Entwicklungsministerium berichtet von Menschen, die durch den Verlust ihrer Familie völlig die Orientierung verloren haben. Während einer Fahrt durch das stark betroffene Irawadi-Delta habe sie eine Frau getroffen, die 25 Familienmitglieder durch den Zyklon verlor. "Sie war emotional vollständig abwesend. Sie konnte kaum sprechen", erzählt Wardell. Vor der Frau hätten zwei Flaschen Wasser, zwei Paar Plastikpantoffeln, sowie Decken und ein Moskitonetz gelegen - alles unberührt.

Posttraumatische Stresssyndrome

In einer zum Flüchtlingslager umfunktionierten Schule fand Wardell eine ganze Gruppe von Menschen, die keinen Laut von sich gaben. Nach Angaben des zuständigen Generals sollten die Hilfsbedürftigen etwas Geld sowie Baumaterial erhalten und dann wieder in ihre Dörfer zurückgeschickt werden. "Die Helfer sagen, sie haben die lebenswichtigsten Bedürfnisse befriedigt, doch was planen sie an weitergehenden Maßnahmen?", fragt Wardell.

Nach dem Verlust von Angehörigen oder ihrem Heim, leiden viele Katastrophenopfer unter so genannten posttraumatischen Stresssyndromen. Um ihren Alpträumen und Angstanfällen zu entfliehen, greifen nach Expertenangaben viele Menschen in einem nächsten Schritt zu Alkohol oder Drogen. Ihr Leiden ist vergleichbar mit dem von Soldaten, die aus dem Krieg heimkehren und sich in ihrem alten Leben nicht mehr zurechtfinden. Deshalb zählt psychologische Unterstützung mittlerweile zu den festen Bestandtteilen von Katastrophenhilfe.

Trauma-Experten warten auf Einreiseerlaubnis

Doch derzeit konzentrieren sich auch die internationalen Hilfsorganisationen noch auf die grundlegenden Bedürfnisse der Wirbelstrum-Überlebenden. "Im Moment liegt der Schwerpunkt auf dem Überleben. Psychosoziale Programme sind komplizierter. Das braucht Zeit", sagt Julie Niebuhr von Ärzte ohne Grenzen. Rund 2,4 Millionen Menschen sind nach UN-Schätzungen von "Nargis" betroffen. Ganze Dorfer sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten und warten noch auf erste Hilfe.

Dennoch wurden bereits erste Schritte zur psychologischen Behandlung der betroffenen Birmaner eingeleitet, wie Rikke Gormsen, Koordinatorin für psychosoziale Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes, sagt. Psychologische Hilfe sei eigentlich sehr einfach. "Es geht nur darum, sich umeinander zu kümmern - nicht um Psychologengespräche hinter verschlossenen Türen." Laut Gormsen leisten bereits viele Organisationen kleine Beiträge. Doch zahlreiche ausländische Trauma-Experten warten weiterhin auf eine Einreiseerlaubnis von der birmanischen Regierung.

37 Kinderzentren eingerichtet

Ein Beispiel für psychologische Hilfe in Birma sind die 37 Kinderzentren der Hilfsorganisation World Vision. Dort werden Kinder mit Liedern und Spielen beschäftigt, damit ihre Eltern Zeit haben, mit dem aus den Fugen geratenen Leben fertig zu werden. Die medizinische Hilfsorganisation Merlin hat Radios unter den Wirbelsturm-Opfern verteilt, um ihnen einen Kontakt zur Gesellschaft zu ermöglichen.

"Es sind kleine Dinge, aber sie helfen den Opfern, einen Tagesablauf einzuführen", sagt Yves-Kim Creac'h von Merlin. "Nach dem Erdbeben in Pakistan (2005) haben wir gesehen, wie unsere Ärzte Menschen medizinisch behandelten, die in Wirklichkeit psychologische Hilfe benötigten." Aus dieser Erfahrung habe Merlin nun in Birma gelernt.

Quelle: afp

 
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