Tausende vermisst: Bis zu 20.000 Tote bei Erdbeben in China
zuletzt aktualisiert: 13.05.2008 - 11:21Dujiangyan (RPO). Nach dem schwersten Erdbeben in China seit 30 Jahren befürchten die Behörden bis zu 20.000 Todesopfer. Am Dienstag stieg die offizielle Zahl der Todesopfer auf fast 12.000. Allerdings berichteten die staatlichen Medien, allein in Mianzhu seien noch weitere 10.000 Menschen unter den Trümmern verschüttet.
Katastrophenschutz-Direktor Wang Zhengyao teilte auf einer Pressekonferenz mit, es seien in der Provinz Sichuan bisher 11.921 Tote bestätigt. Es wird befürchtet, dass die Zahl der bei dem Beben der Stärke 7,9 am Montag umgekommenen Menschen noch weiter steigt, da noch immer Tausende unter den Trümmern eingestürzter Häuser verschüttet sind.
In drei Nachbarprovinzen von Sichuan sowie in der Mega-Stadt Chongqing am Jangtse seien etwa 300 weitere Menschen ums Leben gekommen, meldet Xinhua. Ferner gebe es tausende Verletzte, und unzählige Menschen würden noch vermisst.
Es handelte sich um das schwerste Erdbeben in China seit drei Jahrzehnten. Xinhua zufolge wurden allein im Umkreis der Stadt Wenchuan bis zu 5000 Menschen getötet und 10.000 verletzt. Etwa 80 Prozent aller Gebäude wurden zerstört. In dieser Gegend nordwestlich von Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, lag das Zentrum des Bebens.
Zahlreiche Kleinstädte in der Region wurden dem Erdboden gleich gemacht. In Shifang, wo das Beben einen Chemieunfall auslöste, kamen laut Xinhua rund 600 Menschen ums Leben. Ob die Chemikalien zum Tod der Betroffenen beitrugen, war zunächst unklar. Auch waren dort am Dienstagmorgen noch etwa 2300 Menschen unter Trümmern begraben, darunter rund 900 Schulkinder.
In einer Schule im Bezirk Beichuan wurden mindestens tausend Schüler und Lehrer verschüttet. Die Schule liegt nur einige dutzend Kilometer entfernt vom Epizentrum des Bebens, das im Bezirk Wenchuan verortet wurde. In der Juyan-Schule in Dujiangyan, 50 Kilometer südlich des Epizentrums, wurden 60 Tote geborgen. Helfer zogen weiter Leichen aus den Trümmern. Auch in der Xiang-Schule in Dujingyan wurden Schüler und Lehrer verschüttet. Verantwortliche der Schule gingen davon aus, dass weniger als hundert der 420 Schüler den Einsturz des Gebäudes überlebt haben. Bereits am Montag war berichtet worden, dass 900 Schüler eines Gymnasium in Shifang verschüttet wurden.
Helfer kämpfen nach Berichten des US-Senders CNN um das Leben der verschütteten Schüler. Die Kinder rufen aus den Trümmern nach Hilfe. Rettungskräfte gelang es bisher, einige von ihnen lebend zu retten. Auch verzweifelte Eltern graben im Schutt nach ihren Kindern.
Chemiewerke werden überprüft
Nach dem Erdbeben hat die Regierung Sicherheitsüberprüfungen für Kohlbergwerke, Chemieanlagen und Gaswerken angeordnet. Die Behörde für Arbeitssicherheit erklärte am Dienstag auf ihrer Webseite, der Betrieb müsse umgehend eingestellt und die Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden. Die Behörde äußerte sich nicht dazu, wie groß die Schäden an den Fabriken sind. Der größte Stromversorger des Landes erklärte, mindestens Elektrizitätswerke und acht Umspannwerke seien ausgefallen.
Insgesamt wird das Beben nach Einschätzung von Analysten nur begrenzt Auswirkungen auf die boomende Wirtschaft in China haben. Die beiden Börsen des Landes stellten am Dienstag den Handel mit Papieren von 66 Unternehmen ein, die ihren Sitz im Katastrophengebiet haben. Trotzdem fiel der Index der Börse in Shanghai bis zum Nachmittag um 2,3 Prozent.
In der Zehn-Millionen-Stadt Chengdu wurden Strom- und Fernmeldemasten zerstört, so dass weite Gebiete im Dunkeln lagen. Wegen Erdrutschen waren viele Straßen unpassierbar, und die Rettungskräfte gelangten nur sehr mühsam ins Katastrophengebiet. Hinzu kamen anhaltende heftige Regenfälle, die die Aufräumarbeiten erschwerten. Ministerpräsident Wen Jiabao sagte bei einem Besuch vor Ort, die Lage sei noch viel schlimmer, als die Behörden zunächst vermutet hätten. Die Bevölkerung solle jedoch die Hoffnung nicht aufgeben, da schon bald Helfer bei ihnen eintreffen würden.
Keine Hinweise auf deutsche Opfer
Unter den Opfern sind nach bisherigen Erkenntnissen des Auswärtigen Amts keine Deutschen. "Die Botschaft Peking und das Generalkonsulat Chengdu sind eingeschaltet und stehen in engem Kontakt mit den chinesischen Behörden. Bisher haben wir keine Erkenntnisse, dass deutsche Staatsangehörige betroffen sind", erklärte eine Sprecherin am Dienstag in Berlin. "Das Generalkonsulat und die Botschaft bemühen sich weiter um Aufklärung."
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