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Blinde Passagiere
Mann überlebt 13.000 Kilometer-Flug im Fahrwerkschacht

Blinder Passagier: Londoner Polizei untersucht Todesfall in Einflugschneise
Blinder Passagier überlebt 13.000 Kilometer-Flug bei minus 50 Grad. FOTO: Federico Gambarini
London . Eine Reise als blinder Passagier im Fahrwerkschacht eines Flugzeugs, bei minus 50 Grad, überlebt kaum jemand. In London liegt ein Mann im Krankenhaus, der irgendwie die Reise aus Johannesburg überstanden hat. Zugleich untersucht die Polizei einen Todesfall in der Einflugschneise.

Die britische Polizei untersucht den Tod eines mutmaßlichen blinden Flugzeugpassagiers in der Einflugschneise des Londoner Flughafens Heathrow. Die Leiche des Mannes lag auf einem Hausdach. Die Beamten forschen nun nach seiner Identität. Der Mann sei noch nicht identifiziert, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Kommende Woche soll die Leiche untersucht werden, um die Todesursache festzustellen.

Die Polizei bestätigt nicht, dass der Mann als blinder Passagier unterwegs war. Es spricht aber vieles dafür: Der Tote war am Donnerstag auf einem Dach in der Einflugschneise gefunden worden. Eine Stunde zuvor war in einem British-Airways-Flugzeug, das aus Johannesburg in Südafrika fast 13 000 Kilometer nach London geflogen war, ein blinder Passagier entdeckt worden. Er soll im Fahrwerkschacht gelegen haben. Er sei weiterhin im Krankenhaus und sein Zustand bleibe kritisch, sagte der Polizeisprecher.

Dem Überlebenden muss nach Einschätzung von Experten gelungen sein, im Inneren des Flugzeugs Schutz zu suchen. "Man erfriert entweder bei Temperaturen von minus 50 Grad oder man stirbt an Sauerstoffmangel, weil das Flugzeug in mehr als Zehntausend Metern Höhe fliegt", sagte David Learmount vom Magazin "Flight International" dem "Independent". Der blinde Passagier könne etwa das Gepäck verladen haben und sich im Frachtraum versteckt haben. "Wenn jemand als blinder Passagier überlebt, dann muss er in einen Bereich des Flugzeugs kommen, der warm und unter Druck gesetzt ist."

Die Vermutung, dass die Leiche auf dem Londoner Dach nahe am Flughafen aus dem selben Flugzeug gefallen sein könnte, hält die Luftfahrtexpertin Laura Frommberg für plausibel. "In so geringer Höhe steht die Landung kurz bevor", sagte die Chefredakteurin der Website Aerotelegraph dem Nachrichtenportal sueddeutsche.de. "Die Piloten fahren das Fahrwerk aus, der blinde Passagier hält sich nicht fest, weil er womöglich ohnmächtig ist, und fällt heraus."

In Südafrika arbeiteten Flughafenbetreiber Acsa und Polizei eng zusammen, um zu klären, wie zwei blinde Passagiere es geschafft haben könnten, in das Flugzeug zu gelangen, berichtete die südafrikanische Nachrichtenagentur News24. "Es ist tragisch. Wir werden die Fakten und Ursachen gründlich ermitteln", wurde ein Acsa-Sprecher zitiert.

Bereits 2001 war in London die Leiche eines 21-Jährigen aus Pakistan gefunden worden, den ein Augenzeuge Berichten zufolge aus einem Flugzeug hat fallen sehen. Im September 2012 war ein 26-Jähriger aus Angola aus einem Fahrwerk gefallen und gestorben.

(dpa)
 
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