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Boko Haram
Video könnte entführte Schulmädchen in Nigeria lebend zeigen

Boko Haram: Video könnte entführtes Schulmädchen in Nigeria zeigen
In der nigerianischen Hauptstadt demonstrieren Menschen für die Rettung der Schulmädchen. FOTO: dpa, nb lb fdt cul
Lagos. Die entführten Schulmädchen in Nigeria könnten noch am Leben sein. Ein Video, das jetzt aufgetaucht ist, soll die Mädchen zeigen.

Zwei Jahre nach der Massenentführung von 276 Schulmädchen in Nigeria sind zumindest einige von ihnen offenbar am Leben. Das zeigt ein Video, das der Fernsehsender CNN am Mittwoch ausstrahlte. Eltern hätten ihre Töchter wiedererkannt, hieß es in dem Beitrag. Experten bezeichneten die Aufnahme als glaubwürdig.

219 Mädchen werden weiter vermisst

Die Terrorgruppe Boko Haram hatte die Mädchen am 14. April 2014 aus der Stadt Chibok entführt. Dutzende von ihnen konnten später fliehen, doch 219 werden nach wie vor vermisst. Angehörige erhielten von ihnen seit zwei Jahren kein Lebenszeichen.

Boko Haram hat in den vergangenen Jahren zwar bereits Tausende Menschen in ihre Gewalt gebracht, der Fall der Chibok-Mädchen brachte die Extremisten jedoch in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Selbst die amerikanische First Lady Michelle Obama nutzte den Hashtag #BringBackOurGirls, um die Freilassung der Entführten zu fordern.

Nigerias Regierung und Armee in der Kritik

CNN berichtete, das "Lebenszeichen"-Video sei im Dezember 2015 an Unterhändler verschickt worden, die um die Freilassung der Mädchen ringen. "Uns geht es allen gut", sagt eine der Entführten in der Aufnahme. Dem Sender zufolge analysiert die nigerianische Regierung das Video. Senator Shehu Sani, der an früheren Verhandlungen um die Mädchen beteiligt gewesen ist, sagte der Nachrichtenagentur AP, er halte die Aufnahme für glaubwürdig.

Nach der Entführung der Chibok-Mädchen standen die nigerianische Regierung und die Armee immens in der Kritik. Der damalige Präsident Goodluck Jonathan dementierte zunächst, dass es die Massenentführung überhaupt gegeben habe. International zur Aufklärung gedrängt, gab er den Vorfall später zu. 2015 verlor er zu großem Teil wegen des Falls die Wahl und damit sein Amt.

Zugriff möglicherweise zu gefährlich

Die USA, Großbritannien und Frankreich zählten zu den Ländern, die Nigeria unter die Arme griffen. Sie schickten Berater, zu denen auch Experten für Geiselverhandlungen zählten. Amerikanische und britische Drohnen erspähten eine Gruppe von rund 80 Mädchen und teilten die Informationen mit der nigerianischen Führung. Getan wurde nach der Entdeckung aber nichts.

Ein seit 2015 pensionierter britischer Diplomat, Andrew Pocock, sagte der Zeitung "Sunday Times" im vergangenen Monat, ein Zugriff sei als zu gefährlich für andere Mädchen betrachtet worden. "Man hätte einige, gerettet, aber viele wären getötet worden", sagte er. "Man wäre verteufelt worden, wenn man es getan hätte, und verteufelt worden, wenn man es nicht getan hätte."

Das nigerianische Militär äußerte dieselben Ängste. Von Boko Haram kontrollierte Städte und Dörfer greift es trotzdem an. Nach eigenen Angaben haben die Soldaten seit dem 26. Februar 11.595 zivile Geiseln gerettet - allerdings keine aus Chibok.

(hebu/ap)
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