Beirut: Bombenexplosion nahe Präsidentenpalast
zuletzt aktualisiert: 12.12.2007 - 15:03Beirut (RPO). Bei einem Bombenanschlag in einer christlichen Vorstadt von Beirut sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden. Unter den Toten ist auch ein hoher Armeeoffizier, Generalmajor Francois Hadschdsch, wie die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete. Auch sein Leibwächter kam ums Leben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die Tat. Die Bundesregierung forderte eine Aufklärung der "politischen Morde".
General François el Hadsch hatte die Kämpfe gegen die Islamisten der Gruppe Fatah el Islam in der palästinensischen Flüchtlingssiedlung Nahr el Bared angeführt, die Anfang September nach mehr als drei Monaten zu Ende gegangen waren. Der General war ein Vertrauter des Präsidentschaftskandidat und Armeechefs Michel Suleiman.
In diesem Stadtteil befinden sich neben dem Präsidentenpalast eine Reihe von Botschaften. Ein ausländischer Diplomat, der in Baada wohnt und nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, die Explosion sei sehr stark gewesen und habe sich zur Hauptverkehrszeit ereignet.
Sprengsatz im Auto versteckt?
Mindestens zwei Autos gingen vor dem Rathaus der Gemeinde Baabda in Flammen auf, wie aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete. Unklar war, ob die Bombe in einem der Autos oder am Straßenrand versteckt war. Generalmajor Hadschdsch hatte wenige Minuten zuvor sein Haus verlassen und war wohl auf dem Weg zum nahegelegenen Verteidigungsministerium.
An Autos und Häusern in dem Gebiet entstand großer Schaden. Rettungskräfte suchten nach weiteren Opfern, wie ein Sprecher des libanesischen Roten Kreuzes erklärte. In Baabda befindet sich auch der Präsidentenpalast. Das Verteidigungsministerium und die Heeresführung sind in der Ortschaft Jarse ganz in der Nähe untergebracht.
Der Anschlag fällt in die Zeit der schwersten politischen Krise im Libanon seit dem Ende des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990. Seit dem Ende der Amtszeit von Präsident Emile Lahoud ist das Land ohne Staatsoberhaupt. Die Spaltung des Parlaments in ein prowestliches Regierungslager und die prosyrische Opposition mit der Hisbollah hat bislang die Wahl eines Nachfolgers verhindert
Die rivalisierenden Parteien einigten sich zwar nach wochenlangen Verhandlungen auf Armeechef Michel Suleiman als Kompromisskandidat, streiten nun aber über eine Verfassungsänderung, die notwendig ist, damit der Armeechef sofort das Amt des Staatschefs antreten kann. .
Im Libanon herrscht seit dem Ende der Amtszeit von Präsident Emile Lahoud am 23. November ein Machtvakuum. Eine Abstimmung des Parlaments über einen Nachfolger wurde am Montagabend zum achten Mal verschoben. Die rivalisierenden Parteien einigten sich zwar nach wochenlangen Verhandlungen auf Suleiman als Kompromisskandidaten, streiten nun aber über eine Verfassungsänderung, die notwendig ist, damit der Armeechef das Präsidentschaftsamt sofort antreten kann.
Steinmeier: "Kritische politische Situation"
"Die Bundesregierung verurteilt dieses erneute politische Attentat auf das Schärfste", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der Libanon befinde sich derzeit in einer "kritischen politischen Situation", in der sich die Armee als stabilisierender Faktor erwiesen habe. Berlin werde sich für eine Aufklärung der "politischen Morde" im Libanon einsetzen, betonte Steinmeier.
Im Februar 2005 hatte ein Attentat auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri den Libanon erschüttert. Bei dem Sprengstoffanschlag mit mutmaßlicher Beteiligung Syriens waren Hariri sowie 22 weitere Menschen getötet worden. Seitdem starben sieben weitere Vertreter des anti-syrischen Lagers bei Anschlägen.
Syrien machte Israel für den Anschlag gegen Generalmajor Hadschsch verantwortlich. "Israel und seine Handlanger im Libanon sind die Nutznießer dieses Verbrechens", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Sana einen syrischen Vertreter, der anonym bleiben wollte. Der syrische Außenminister Walid Muallem verurteilte in Damaskus die Tat und äußerte die Hoffnung, dass das libanesische Parlament bald einen neuen Präsidenten wähle.
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