USA droht riesige Umweltkatastrophe: BP will die Kosten übernehmen
zuletzt aktualisiert: 30.04.2010 - 17:46New Orleans (RPO). Der britische Ölkonzern BP hat die "volle Verantwortung" für die Ölpest vor der US-Küste übernommen. Eine Sprecherin des Konzerns kündigte an, der Öl-Multi werde die Kosten für die Bekämpfung des Ölteppichs übernehmen. Zuvor hatte der Konzern versucht, die Verantwortung auf den Anlagenbauer Transocean abzuwälzen.
Eine BP-Sprecherin sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in New York, der Konzern werde sich um die Beseitigung des Ölteppichs kümmern. Außerdem komme der Konzern für "berechtigte Ansprüche" bei Schäden auf. Der Konzern kommt damit auch den Forderungen von US-Präsident Barack Obama nach.
Die ersten Ausläufer des Ölteppichs erreichten am Freitag die Küste Louisianas. Hunderte Kilometer Küste mit einem einzigartigen Ökosystem aus Marschlandschaften und seltener Fauna waren unmittelbar bedroht. In Florida, Alabama und Mississippi ist die Fischerei in Gefahr, die das Hauptstandbein der örtlichen Wirtschaft ist.
Sammelklagen gegen BP werden vorbereitet
Neben der Übernahme der Kosten droht BP auch ein gerichtliches Nachspiel, das den Konzern nochmals um Milliarden bringen könnte. Denn Garnelenzüchter haben bereits Sammelklage eingereicht. Sie wollen fünf Millionen Dollar Schadenersatz. Ihre Vorwürfe lauten auf Fahrlässigkeit und Verschmutzung.
Dabei sollten es eigentlich rosige Zeiten für BP werden. Erst vor wenigen Tagen legte der Konzern Zahlen für das erste Quartal dieses Jahres vor. Einen satten Gewinn hatte das Unternehmen verbucht. Der Nettoprofit im ersten Quartal stieg um 134,6 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg im Vergleich zum letzten Vierteljahr 2009 um 41,9 Prozent.
Zu verdanken hatte BP die Zahlen ausgerechnet dem Ölgeschäft. Denn die Rohölpreise waren wieder gestiegen. Doch die Katastrophe trübte die Aussichten. Bereits am Tag der Verkündung sank der Aktienkurs – wegen des Ölteppichs.
Doch nicht nur der wirtschaftliche Schaden ist für BP immens. Auch das Image des Ölmultis steht auf dem Spiel. Der Name BP bleibt in den Augen der Öffentlichkeit mit der Katastrophe verbunden. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass ein Ölkonzern kritisch beäugt wird.
800.000 Liter Öl täglich
Dem Konkurrenten Shell ging es im Jahr 1995 ähnlich - wenn auch in einer ganz anderen Situation. Damals wollte der Ölkonzern die ausgediente Plattform Brent Spar aus der Nordsee in den Atlantik ziehen und dort versenken. Greenpeace protestierte dagegen.
Ein Boykottaufruf gegen Shell brachte das Unternehmen so arg in Bedrängnis, dass es die Pläne schließlich aufgab. Und schließlich wurde sogar ein Verbot eingeführt, ausgediente Plattformen in der Nordsee zu versenken.
Für Shell führte die damalige Kampagne zu einem enormen Imageschaden, von dem sich das Unternehmen nur langsam erholte. BP könnte nun Ähnliches drohen. Denn die Gegner von Tiefseebohrungen und Ölförderungen sind schon zur Stelle.
Sie können nun anhand der Bilder begreiflich machen, welche Gefahren das Bohren in tiefsten Gewässern birgt. Fast 800.000 Liter Öl sollen es sein, die täglich aus der Plattform fließen, die Tierwelt an den US-Küsten und in den Gewässern ist massiv vom Ölteppich bedroht. Dringen die ersten Bilder schwarz-verklebter Tiere an die Öffentlichkeit, dürfte der Marktwert des Unternehmens noch mehr abnehmen.
Schon fast ironisch mutet es da an, dass Barack Obama erst kürzlich angekündigt hatte, Ölbohrungen an den US-Küsten, die bisher ausgesetzt waren, wieder zuzulassen. Doch nun könnte das Vorhaben doch ausgesetzt werden. Denn nun steht nur noch ein Punkt auf der Tagesordnung: die Sicherheit für Mensch, Tier und Meer.
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