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breivik norwegen gerichtssaal 2012
  Foto: afp, DANIEL SANNUM LAUTEN
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Prozess im norwegischen TV: Breivik stellt absurde Forderungen

zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 - 17:11

Oslo (RPO). Medienrummel um den Massenmörder Anders Breivik: Norwegens TV-Sender übertragen live, wie er einen Osloer Gerichtssaal betritt. Der Rechtsradikale wünscht öffentliche Aufmerksamkeit. Breivik machte einen zufriedenen Eindruck. Bei dem Gerichtstermin stellt er absurde Forderungen.

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik ist bei einem Gerichtstermin am Montag in Oslo erstmals öffentlich von einem massiven Medienaufgebot fotografiert und gefilmt worden. Der rechtsradikale Islamhasser hatte im vergangenen Sommer bei zwei Anschlägen 77 Menschen getötet und sitzt seitdem hinter Gittern.

Unmittelbar vor einem Haftprüfungstermin konnte der 32-Jährige beim Betreten des Gerichtssaales abgelichtet werden. Er hob seine gefesselten Hände kurz in Richtung Zuhörer und Medien, was der Verteidiger Geir Lippestad später als "Versuch zu einem rechtsextremistischen Gruß" darstellte. Während der Anhörung drehte Breivik sich mehrfach lächelnd den Journalisten im Gerichtssal zu.

Untersuchungshaft verlängert

Der erklärtermaßen an öffentlicher Aufmerksamkeit interessierte Attentäter hatte vorab sein Einverständnis für Fotos und TV-Bilder gegeben. Bis zum geplanten Prozessbeginn am 16. April bleibt Breivik in Untersuchungshaft, wie der Richter am Montag verfügte.

Vor der Haftrichterin, knapp hundert Angehörigen von Opfern und Überlebenden sowie 160 Medienvertretern begründete er seinen Bombenanschlag in Oslo und das Massaker auf der Insel Utøya damit, dass er "in Notwehr" Norwegen vor einer "ethnischen Säuberung" habe bewahren müssen.

Breivik will "Ehrenmedaille"

Ungläubig beobachteten die Zuschauer, wie Breivik seine Forderungen stellte. "Es war nicht gut, dass er sagen konnte, was er sagen wollte", sagte Amel Baltic, ein 16-jähriger Überlebender des Massakers auf der Insel Utöya. Es habe ihn irritiert.

Für das von ihm angerichtete Massaker forderte Breivik sogar eine militärische Ehrenmedaille. Vor dem Gericht in Oslo bekannte er sich am Montag erneut zu den zwei Anschlägen. Dabei bezeichnete er seine Taten als Schlag gegen "Verräter", die Einwanderung mit dem Ziel einer "islamischen Kolonisierung Norwegens" förderten.

Breivik verlangte seine sofortige Freilassung. "Ich akzeptiere meine Inhaftierung nicht, ich fordere, umgehend freigelassen zu werden", sagte der 32-jährige Rechtsextremist. Seine beiden Attentate nannte Breivik "vorbeugende Anschläge gegen Staatsverräter" zur Verteidigung der "ethnisch norwegischen Bevölkerung". Breivik nannte das rechtspsychiatrische Gutachten "lächerlich", mit dem er als nicht zurechnungsfähig eingestuft wurde.

In den Zuschauerreihen des Gerichtssaals brach Gelächter aus, als der Angeklagte seine Freilassung forderte. "Eine gute Art, seine Argumente auseinanderzunehmen, ist es, ihn auszulachen", sagte Magnus Haakonsen, der Behring Breiviks Angriff auf der Insel Utöya überlebt hatte.

"Jetzt sind die Waffen auf ihn gerichtet"

"Es tut gut, ihn so zu sehen, umringt von Polizisten, nur zehn Meter von mir entfernt", sagte der 18-jährige Haakonsen weiter. "Als ich ihn das erste Mal in Utöya gesehen habe, war er auch rund zehn Meter von mir entfernt, aber da hatte er eine Waffe, die auf mich gerichtet war. Jetzt sind auf gewisse Weise die Waffen auf ihn gerichtet - die der Justiz."

Nicht für alle Anwesenden war es leicht, dem Mörder gegenüber zu sitzen. Die 18-jährige Anette Davidsen, Überlebende von Utøya und Zuhörerin im Gerichtssaal, erzählte der Nachrichtenagentur NTB: "Als er hereinkam und uns anlächelte, war es sehr schwer. Er hat ja gezeigt, wie stolz er auf seine Tat ist und nichts bereut."

Norwegens größte TV-Sender übertrugen live, wie Breivik in dunklem Anzug und Schlips den Gerichtssaal betrat. Internetmedien ließen ihre Reporter direkt und nach Möglichkeit wörtlich aus dem Gerichtssaal wiedergeben, was Breivik dort äußerte. Überlebende der Anschläge und Angehörige der Opfer haben sich wiederholt kritisch über die massive Medienaufmerksamkeit für den Attentäter geäußert.

Quelle: dpa/afp/dapd

 
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