Eltern und Kinder wollen sich infizieren: Briten feiern Schweinegrippe-Partys
VON ALEXEI MAKARTSEV - zuletzt aktualisiert: 03.07.2009 - 19:30London (RP). Die Schweinegrippe hat in Großbritannien einen neuen Trend ausgelöst. Eltern organisieren Schweinegrippen-Partys, um sich und ihre Kinder "prophylaktisch" zu infizieren. Experten sehen die Veranstaltungen allerdings mit zunehmender Besorgnis.
Ihr kecker Rufname „poshpiggy” (Schickes Schweinchen) passt bestens zu ihrem Anliegen. „Ich organisiere meine erste Schweinegrippe-Party”, schreibt gestern eine Londonerin in einem Internetforum für Mütter. Trotz der rasenden Ausbreitung der potenziell tödlichen Krankheit auf der Insel sehen die Briten die Pandemie völlig gelassen, und manche Eltern scheuen sogar keine Mühen, um sich selbst oder ihre Kinder „prophylaktisch” zu infizieren.
Wer heute in Großbritannien diese bizarre Frage stellt, der glaubt, sich durch eine frühzeitige Ansteckung gegen gefährliche Mutationen des Virus im Herbst immunisieren zu können. Die Ärzte halten das jedoch für eine Schnapsidee. „Die Eltern, die ihre Kinder zu solchen Partys mitnehmen, sollten daran denken, dass diese Grippe die Menschen für ein paar Tage überwältigt und oft ernste Komplikationen verursacht”, sagt Richard Jarvis von der British Medical Association.
„Sie spielen mit dem Feuer”, warnt im „Guardian” der Londoner Virologe John Oxford. „Sie könnten leicht einen Diabetiker infizieren, der daran sterben würde”. Zehn Wochen nach Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko ist das Vereinigte Königreich mit 7500 Infektionen zu einem der globalen Brennpunkte der Pandemie geworden.
Die Zahlen der Neuinfektionen verdoppeln sich jede Woche, und die Behörden halten es für wahrscheinlich, dass im Spätsommer jeden Tag rund 100.000 Briten an Grippe erkranken könnten. „Sie sollten sich keine Sorgen machen”, versichern dennoch täglich Experten im Fernsehen.
Nach offiziellen Angaben ist Großbritannien mit Anti-Grippe-Mitteln wie Tamiflu besser versorgt als jedes andere Land. Allerdings hat die Regierung ihre Anti-Grippe-Strategie ändern müssen: Die Patienten mit H1N1 werden gebeten, zu Hause zu bleiben und sich telefonisch von einem Arzt beraten zu lassen.
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