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Vertrauliche Dokumente: Briten fürchteten Hitler-Jugend

VON ALEXEI MAKARTSEV - zuletzt aktualisiert: 09.03.2010 - 07:50

(RP). Lord Robert Baden-Powell gilt in seiner Heimat Großbritannien als leuchtendes Jugend-Vorbild – der drahtige Kavallerie-Offizier begründete 1907 die Pfadfinderbewegung. Doch Baden-Powell hatte offenbar ein dunkles Geheimnis. Nach gestern veröffentlichten, ehemals vertraulichen Dokumenten des britischen Geheimdienstes MI5 aus dem britischen Staatsarchiv in London bewunderte der Vater aller Scouts vor dem Zweiten Weltkrieg Adolf Hitler und versuchte, seine Kinderorganisation der Hitlerjugend näher zu bringen.

Baden-Powell schrieb 1939 einen entlarvenden Tagebucheintrag: Den "ganzen Tag" lese er "im Bett liegend" die "Nazi-Bibel". ",Mein Kampf' ist ein wunderbares Buch voller guter Ideen über Bildung, Gesundheit und Propaganda", notiert begeistert der zukünftige Lord. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er in einem Gespräch mit dem deutschen Botschafter in London, Joachim von Ribbentrop, seinen Wunsch geäußert, "alles zu unternehmen, um die Beziehungen unserer Nationen zu verbessern". Laut Archivdokumenten ließ Baden-Powell nicht nur seine Scouts an Treffen der Hitlerjugend in Deutschland teilnehmen, sondern er öffnete auch Tür und Tor für Besuche der deutschen Teenager in England, die nach MI5-Beobachtungen mit ihren Altersgenossen abends am Lagerfeuer den Hitlergruß übten.

Wie aus den ehemals geheimen Dokumenten deutlich wird, war der britische Nachrichtendienst alles andere als glücklich über diese Kontakte. Der MI5 hatte den Verdacht, dass die deutschen Schüler beim Fahrradfahren auf der Insel im Auftrag Hitlers heimlich Informationen über Straßen, Brücken, Flüsse, Kirchtürme "und andere Orientierungspunkte" für eine Invasion der Nazis im Königreich sammeln würden. Darum ließ die Regierung etwa 140 junge "Spyclists" (von "Spy", Spion, und "Cyclist", Radfahrer) beschatten – mit unbekanntem Ergebnis.

Dagegen soll eine andere Operation dem MI 5 Lob und Anerkennung auf höchstem Niveau eingebracht haben. Winston Churchill wollte vor der Invasion der Alliierten in der Normandie "D-Day" die Deutschen über seine Absichten täuschen. Dazu schickte er im Mai 1944 einen falschen General Bernard Montgomery auf die britische Insel Gibraltar im Mittelmeer, um eine falsche Fährte zu legen.

Verkleidet als der Kriegsheld "Monty", spielte der Australier Clifton James bei einer Begegnung mit dem Gouverneur von Gibraltar die Rolle des hohen Besuchers – und zwar so perfekt, dass ein Spion im Dienste Deutschlands den Köder schluckte. Die Briten wussten, dass der spanische Regierungsvertreter auf Gibraltar, Ignacio Molina Pérez, heimlich nach Berlin berichtete – darum hatten sie den Major am gleichen Tag in die Residenz ihres Gouverneurs eingeladen, wo dieser "Montgomerys" Ankunft "zufällig" beobachten durfte. Nach MI5-Erkenntnissen hatte die Sensationsnachricht am gleichen Tag die Naziführung erreicht und eine wichtige Rolle in der Desinformationskampagne vor dem D-Day gespielt.

Quelle: RP

 
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