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Urteil: Britischer Historiker Irving zu drei Jahren Haft verurteilt

zuletzt aktualisiert: 20.02.2006 - 18:47

Wien (rpo). Der wegen wiederholter Leugnung von Naziverbrechen angeklagte britische Historiker David Irving ist von einem österreichischen Gericht zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Irving hatte sich während des Prozesses in Wien schuldig im Sinne der Anklage bekannt.

David Irving ist verurteilt worden.  Foto: AP, AP
David Irving ist verurteilt worden. Foto: AP, AP

Irving stand unter Anklage, in zwei Reden 1989 die Vernichtung der sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs geleugnet zu haben. Unter anderem hatte er erklärt, die Pogrome der so genannten Reichskristallnacht seien von als SA-Männern verkleideten Unbekannten verübt worden, und Hitler habe seine "schützenden Hände über die Juden gehalten."

Bei seiner zweistündigen Vernehmung im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts gab sich Irving als um Faktentreue bemühter Historiker, der grundsätzlich nicht mehr an den Gaskammern und der Massenvernichtung der Juden während der NS-Zeit zweifle. Die Ansichten, die er bei den inkriminierten Vorträgen vertreten hatte, revidierte er: "Diese Meinung war falsch. Das habe ich in Etappen festgestellt über die letzten Jahre", zitierte ihn die Nachrichtenagentur APA.

Staatsanwalt Michael Klackl erklärte in seinem Eröffnungsplädoyer, Irvings Bestreben sei es, sich als geläutert zu präsentieren. Er verfüge jedoch über ein Geschichtsbild, "in dem es keine Gaskammern gibt". Immer wieder habe der Brite von einem "Gaskammer-Märchen" und einer "Gaskammer-Lüge" gesprochen, und Adolf Hitler erscheine in seinen Ausführungen als glorifizierte Erscheinung.

Irving selbst sagte schon beim Eintreffen im Landesgericht vor Journalisten, er erkenne inzwischen an, dass die Nazis während des Zweiten Weltkriegs systematisch Juden umgebracht hätten. Es sei lächerlich, dass er wegen Äußerungen von vor 17 Jahren vor Gericht stehe.

Irvings Verteidiger Elmar Kresbach erklärte laut APA, der Engländer habe sich als historischer Autodidakt einen Namen machen müssen, "einer, der natürlich, um bekannt zu werden, auch provozieren musste". Sein Mandant sei jedoch "kein klassischer Massendemagoge", sagte Kresbach. "Er ist ein in der Zwischenzeit etwas einsam gewordener älterer, durchaus talentierter Historiker", der manche schlimme Sachen gesagt habe.

Bereits zwei Wochen nach seiner Verhaftung am 11. November in der Steiermark ließ Irving über einen Anwalt mitteilen, dass er die Existenz der Gaskammern inzwischen anerkenne. Der Historiker hat rund 30 Bücher mit gegenteiligem Inhalt geschrieben. Er vertrat darin unter anderem die These, dass die meisten Menschen in Konzentrationslagern nicht umgebracht worden, sondern an Krankheiten wie Typhus gestorben seien.

Quelle: ap

 
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