Bangkoks Flughafen besetzt: Bürgerkrieg in Thailand
zuletzt aktualisiert: 25.11.2008 - 18:32Bangkok (RPO). Die Lage in dem südostasiatischen Staat spitzt sich zu: Bei Auseinandersetzungen mit Regierungsgegnern sind am Dienstag in Bangkok mindestens zehn Anhänger von Thailands Ministerpräsident Somchai Wongsawat verletzt worden. Der Flughafen Bangkok mußte alle Flüge einstellen, weil Demonstranten die Abfertigungshalle besetzten.
Nach Angaben der Polizei erlitten acht Personen Schussverletzungen, eins der Opfer wurde schwer verletzt. Die Auseinandersetzungen ereignete sich demnach auf einer Zufahrtsstraße zu einem stillgelegtem Flughafen, wo die Regierung vorübergehend ihre Büros eingerichtet hat. Die Anhänger Somchais seien von einem Kleinlastwagen aus beschossen worden, hieß es. Der staatliche Fernsehsender TPBS zeigte Bilder von Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung.
10.000 Demonstranten versammelten sich am Dienstag an dem provisorischen Sitz der Regierung auf dem Flughafen Don Muaeng. Sie wollten damit nach Angaben der Volksallianz für die Demokratie (PAD) die Regierungsgeschäfte zum Erliegen bringen. Die PAD und ihre Anhänger hatten am Montag zum "letzten Kampf" gegen die Regierung aufgerufen und zeitweise das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Bangkok umzingelt.
Demonstranten besetzten das Abfertigungsgebäude des Flughafens in der Hauptstadt Bangkok. Sämtliche Starts wurden daraufhin abgesagt. Die Flughafenbehörde erklärte, alle Verhandlungen mit den Demonstranten seien erfolglos geblieben. Die ankommenden Flüge dürften aber noch landen. Der Provinzgouverneur hatte bereits zuvor die Armee um Hilfe für die Polizei gebeten.
Ob auch deutsche Touristen von den Flugabsagen betroffen sind, war zunächst nicht zu erfahren. In Thailand ist derzeit Hauptreisesaison. Bereits Ende August hatten die Regierungsgegner die internationalen Flughäfen in den thailändischen Touristenzentren Phuket und Krabi mit Blockaden zwei Tage lang lahmgelegt.
Die Regierungsgegner betrachten Ministerpräsident Somchai Wongsawat, den Schwager des bei einem Militärputsch gestürzten Exministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, nur als dessen Marionette. Thaksin wurde im Oktober wegen Korruption in Abwesenheit zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er lebt im Exil.
Die Lage in Thailand ist seit Monaten äußerst gespannt. Der eigentliche Regierungssitz wird von den Regierungsgegnern schon seit dem 26. August besetzt gehalten. Somchai und seine Mitarbeiter zogen daraufhin notgedrungen an den Flughafen am Stadtrand um. Dem Ministerpräsidenten wird von seinen Gegnern vorgeworfen, ein korrupter Handlanger seines 2006 vom Militär als Regierungschef gestürzten Schwagers Thaksin Shinawatra zu sein. Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung wurden bereits mehrere Menschen getötet.
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