| 16.38 Uhr

Brandkatastrophe in rumänischem Nachtclub
"Ich habe die Hölle gesehen"

Schwere Explosion in rumänischer Disco
Schwere Explosion in rumänischer Disco FOTO: dpa, rg cs
Bukarest . In Rumänien herrschenh Trauer und Entsetzen nach dem Inferno in einem Bukarester Nachtclub. Die Regierung ordnete Staatstrauer an. Staatspräsident Iohannis gibt den Betreibern des Clubs die Schuld am Tod von 27 Menschen.

"Der Tag, an dem wir sterben" - so lautete der Titel des Songs, mit dem die Band Goodbye to Gravity am Freitagabend ihr Konzert im Bukarester Keller-Club "Colectiv" begann. Nur eine halbe Stunde später wurde dieser Text für 27 junge Leute zur schrecklichen Realität: Sie starben, nachdem Feuerwerkskörper die schalldichte Wandverkleidung in dem Lokal in Brand gesetzt hatten, wie Augenzeugen aussagten. Zehn Clubgäste schwebten am Samstag noch in Lebensgefahr. Insgesamt gab es 146 Verletzte, die mit Brandwunden und Rauchvergiftungen in Kliniken liegen.

Zuerst hatte eine Säule neben der Bühne Feuer gefangen, als die Bukarester Band, so wie sie es in ihrer Einladung zum Gratis-Konzert versprochen hatte, eine pyrotechnische Show veranstaltete. "Das war aber nicht im Programm vorgesehen", habe der Sänger der Band, Andrei Galut, noch scherzhaft angesichts der brennenden Säule gesagt, wie ein Clubgast der rumänischen Zeitung "Adevarul" erzählte. Jetzt liegt Galut schwer verletzt im Krankenhaus.

Blitzschnell habe das Feuer um sich gegriffen, berichteten Zeugen. Alle Wände hätten gebrannt. Teile der ebenfalls in Flammen stehenden Decke seien auf die Menschen gefallen, die gerade noch gefeiert hatten und sich auf eine anschließend geplante Halloween-Party freuten. Dicker schwarzer Rauch füllte nach Aussagen der Zeugen den Raum. Er verätzte die Atemwege vieler Opfer und nahm ihnen fast vollständig die Sicht. In dem nur 425 Quadratmeter großen Raum hätten sich 300 bis 500 Menschen gedrängt, schätzte Innenminister Gabriel Oprea am Tag danach. 

"Ich habe die Hölle gesehen", mit diesen Worten beschrieb der 22-jährige Ionut seiner Mutter die Tragödie, wie die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax meldete. Der Architekturstudent liegt mit schweren Verbrennungen in der Bukarester Universitätsklinik. Andere Zeugen erzählten, wie die Gäste des Nachtclubs in Panik übereinander stiegen und verzweifelt die Ausgänge suchten. Einer von zwei Ausgängen war zunächst blockiert und konnte erst später geöffnet werden.

Staatspräsident Klaus Iohannis gab den Betreibern des Lokals die Schuld. "Die Tragödie ist geschehen, weil einfache Regeln ignoriert wurden", sagte er nach einem Besuch am Unglücksort. Das Lokal sei für ein solches Konzert "total ungeeignet", zudem sei es in "unvorstellbarer" Weise überfüllt gewesen.

Zudem dürften ungenaue Vorschriften zum Feuerschutz mit ein Grund für das Unglück gewesen sein. Prinzipiell kann nur das Katastrophenschutzamt Genehmigungen für Feuerwerksshows geben. Eine solche Erlaubnis hatte der Club "Colectiv" den Angaben zufolge nicht.

Andererseits könne ein Lokal diese pyrotechnischen Shows ohne grünes Licht vom Amt veranstalten, wenn der Geschäftsführer unterschreibt, dass er dafür die Verantwortung übernimmt, sagte der Bukarester Bezirks-Bürgermeister Cristian Popescu Piedone. "Colectiv" habe diese Erklärung unterschrieben. Sein Amt hatte dem Club die Betriebsgenehmigung erteilt. Ob die Staatsanwälte die Rechtslage ebenso sehen, war zunächst unklar. Sie ermitteln nun wegen fahrlässiger Tötung und schließen auch eine Mordanklage nicht aus.

Bis Samstag konnten noch nicht alle Todesopfer identifiziert werden.
Drei Tage Staatstrauer hat die Regierung dem Land verordnet. Rumänien ist unter Schock: Viele Partys wurden abgesagt. Eine Facebook-Gruppe rief Partygänger dazu auf, zum Zeichen der Solidarität und Trauer in der Nacht zum Sonntag nicht in die Clubs zu gehen: "Wir alle sind empört, erschrocken und schockiert - wir fragen uns: Wie war das möglich?"

(felt/dpa)
 
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