Zwischenfall in Kundus: Bundeswehr erschießt Zivilisten in Afghanistan
zuletzt aktualisiert: 17.01.2010 - 15:21Berlin/Potsdam (RPO). In Nordafghanistan ist ein Zivilist durch Schüsse von Bundeswehr-Soldaten getötet worden. Bei dem Zwischenfall an einem Kontrollpunkt wurde ein weiterer Zivilist verletzt. Dies bestätigte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam am Sonntag.
Zu dem Zwischenfall sei es gekommen, weil ein Fahrzeug nicht angehalten habe, sondern mit großer Geschwindigkeit auf den Kontrollpunkt der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF zugerast sei.
Die Soldaten hätten daraufhin mit Handfeuerwaffen geschossen. Zwei Insassen des Fahrzeugs seien verletzt worden. Einer von ihnen sei später im zivilen Krankenhaus von Kundus an seinen Verletzungen gestorben, hieß es in der Mitteilung der Bundeswehr.
Nach der Warnung vor einem Selbstmordattentat ("Suicider-Warnung") hätten die Soldaten am westlichen Ortsausgang von Kundus "aus der Bewegung heraus einen temporären Checkpoint errichtet", teilte ein Sprecher mit. Es habe sich ein Fahrzeugstau gebildet. Daraus sei ein Toyota-Fahrzeug ausgeschert und auf die Soldaten zugefahren. "Trotz Handzeichen und Warnschüssen stoppte das Fahrzeug nicht, sondern setzte seine Fahrt in hoher Geschwindigkeit auf den Checkpoint fort."
Daraufhin hätten die Soldaten mit Handfeuerwaffen "im Rahmen der Eskalation das Feuer eröffnet" und zwei Insassen des Fahrzeugs durch Schüsse verletzt. Die verletzten Einheimischen seien in Absprache mit der afghanischen Polizei in das zivile Krankenhaus in Kundus gebracht worden. Aus der Klinik sei später gemeldet worden, dass ein Patient mittlerweile verstorben sei.
Zivilist im südlichen Helmand erschossen
Zuvor war von einem Zwischenfall in der südlichen Provinz Helmand berichtet worden. Dort erschossen internationale Streitkräfte nach Militärangaben ebenfalls einen afghanischen Zivilisten. Die Soldaten eröffneten das Feuer auf ein schnell heranfahrendes Fahrzeug, wie die NATO mitteilte. Die fünf übrigen Insassen seien nicht verletzt worden.
Der Zwischenfall ereignete sich im Bezirk Garmsir in der südlichen Provinz Helmand. Der Mann wurde den Angaben zufolge in die Brust getroffen und erlag später seinen Verletzungen. Die NATO kündigte Ermittlungen gemeinsam mit den afghanischen Behörden an.
In Afghanistan sind im Rahmen der internationalen Schutztruppe ISAF derzeit rund 4300 deutsche Soldaten im Einsatz.
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