Somalia: Bundeswehr filmt Piratenüberfall
VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 25.11.2008 - 10:35(RP). Die Bundeswehr hat mit einem Auklärungsflugzeug vom Typ P-3C Orion einen Piratenangriff auf einen Frachter gefilmt. Mit drei Schnellbooten näherten sich die Piraten dem Frachtschiff und kaperten es innerhalb von 31 Minuten. die Bundeswehr darf nur beobachten, aber nicht eingreifen.
Dschibuti Golf von Aden, 7.15 Uhr: Ein kleines Schnellboot kurvt auf einen Frachter zu, drückt sich in voller Fahrt eng an die rechte Bordwand. Mehrere Männer klettern über eine Leiter an Deck, stürmen weiter nach oben auf die Kommandobrücke und überwältigen die ahnungslose Besatzung.
Zwei weitere Boote nähern sich, die Insassen klettern ebenfalls auf das Schiff -einen kompletten Überfall von somalischen Piraten, der nur 31 Minuten dauerte, hat ein deutsches Seefernaufklärungsflugzeug P-3C „Orion” gefilmt. Die bisher unter Verschluss gehaltenen Bilder, die erstmals die Vorgehensweise der Seeräuber zeigen, wurden heute der Rheinischen Post zur Verfügung gestellt.
Die "Orion" konnte vier Überfälle filmen
Die viermotorige Maschine der Deutschen Marine, deren moderne Infrarotkamera Bilder aus bis zu 70 Kilometer Entfernung machen kann, ist heute aus dem nordafrikanischen Dschibuti zu ihrem Heimatfliegerhorst Nordholz bei Cuxhaven zurückgekehrt. Insgesamt ist die „Orion” bei ihrem jetzt abgeschlossenen Einsatz am Horn von Afrika umgerechnet vier Erdumrundungen weit geflogen. Denn das zu kontrollierende Seegebiet ist achtmal so groß wie Deutschland.
Überprüft und gemeldet wurden 350 verdächtige Kontakte. Mehr darf die Bundeswehr nicht tun: Ein Waffeneinsatz gegen Piraten ist ihr gesetzlich untersagt. Nach Angaben aus Marinekreisen konnte die „Orion” jedoch vier Überfälle filmen und acht dadurch vereiteln, dass sie die angegriffenen Schiffe überflog und die Freibeuter damit zur Flucht zwang.
Heute wurde bekannt, dass am Sonntag die deutsche Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern” erneut Piratenangriffe auf zwei Handelsschiffe verhindert hat. Seeräuber mit Speedbooten griffen die Handelsschiffe „Humbodt Current“ und „Lang Sing“ im Golf von Aden an. In einer gesetzlich abgedeckten Nothilfeaktion schickte die Fregatte ihren Bordhubschrauber in das betreffende Seegebiet. Als die Piraten den deutschen „Lynx“-Helikopter anfliegen sahen, flüchteten sie. Beide Frachter konnten ihre Fahrt unbehelligt fortsetzen.
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