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#buypens
Dieses Foto veränderte das Leben des Flüchtlings Abdul Halim

Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht
Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht FOTO: ALESSANDRO BIANCHI
Düsseldorf. Abdul Halim kam als syrischer Flüchtling mittellos in den Libanon. Mit der Hilfe eines Isländers und Twitter kann er nun seinen Kindern eine bessere Zukunft bieten. Von Gunnar Giftthaler

Ein Foto geht um die Welt. Abdul Halim steht mitten in Beirut und versucht, Kugelschreiber zu verkaufen. Auf dem Arm trägt er seine schlafende Tochter. Er sieht mitgenommen aus.

Der Isländer Gissur Simonarson hat diese Szene auf einem Foto festgehalten. Mit einer Beschreibung versehen stellt er es auf Twitter. Sehr schnell teilen tausende Menschen seinen Tweet, reagieren bewegt und wenden sich an Simonarson, weil sie helfen möchten. Dieser beschließt, den Mann zu finden. Unter dem Hashtag #buypens, also: "Kauft Kugelschreiber", wird auf Twitter nach Abdul Halim gefahndet. Mit Erfolg. Schon 24 Stunden nach dem Start der Suchaktion telefonieren Abdul Halim und der isländische Fotograf zum ersten Mal miteinander.

Halim erzählt Simonarson seine Geschichte. Vor dreieinhalb Jahren floh der alleinerziehende Vater mit der Familie aus Syrien, aus Angst vor den Bomben. Erst ging es nach Ägypten, dann in den Libanon. Doch in dem Staat mit vier Millionen Einwohnern, in den mittlerweile eine Million Syrer geflohen sind, ist es schier unmöglich, Arbeit zu finden. Deswegen verkauft Halim mit seiner Tochter Reem Kugelschreiber, der Gebrauchsgegenstand, der nach seiner Aussage noch am meisten einbrächte. "Jeder benutzt Kugelschreiber", sagt er. Das damit verdiente Geld reiche gerade so für Essen, Trinken und die Miete.

Brennpunkte: Die Flüchtlingsbrennpunkte Europas FOTO: dpa, kc jak

Simonarson ruft schließlich über die Crowdfunding-Seite "indiegogo" zu Spenden für Halim auf. Darauf heißt es "Helft Abdul und Reem in Beirut im Libanon. Spendet Geld, damit sie ein neues Leben starten können." In den ersten 48 Stunden sind bereits 125.000 Dollar eingegangen. Simonarson ist überwältigt von der Hilfe und erklärt, dass er nun sieht, dass die Menschlichkeit in der Welt nicht gänzlich verloren gegangen sei.

Auch die Kinderhilfsorganisation UNICEF beteiligt sich mittlerweile daran, mit diesem Fall die Aufmerksamkeit verstärkt auf die prekäre Situation im Libanon zu richten, heißt es bei dem Nachrichtensender "NBC". Halim möchte mit dem Geld seiner Tochter ein Leben auf der Straße ersparen, seinem Sohn und ihr eine gute Ausbildung ermöglichen. Auch den eigenen Geschwistern und Eltern in Syrien werde er helfen, sagt er gegenüber "NBC".

Irgendwann will er in die Heimat zurück, in das Land, das er so sehr liebe. Er hoffe, dass sich dort bald etwas ändere: "Wir wollen Frieden. Wir möchten die Probleme lösen", sagte Abdul Halim.

(RPO)
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