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Löwenjäger Walter Palmer
Der Zahnarzt mit der Armbrust liebt das Töten

Trauer und Wut nach dem Tod von Löwe Cecil
Trauer und Wut nach dem Tod von Löwe Cecil FOTO: ap
Düsseldorf. Walter Palmer tötete den berühmtesten Löwen Afrikas, schnitt ihm den Kopf ab und häutete ihn. Der US-Zahnarzt, dem nun selbst mit Mord und Totschlag gedroht wird, gilt unter Großwildjägern als Star. Schon früher umging der Trophäenjäger das Gesetz, um töten zu können. Von Philipp Stempel

Walter Palmer geht schon seit Jahren auf die Jagd. In seiner Trophäensammlung hat er schon etliche Kaliber angehäuft. Auf Bildern im Netz ist er mit nacktem Oberkörper und einem toten Leoparden vor der Brust zu sehen. Andere Motive in einem Flickr-Album eines Jagdverbandes zeigen ihn mit stolzem Gesicht neben Nashörnern, Löwen, riesigen Hirschen, Bisons oder Elchen.

Für Palmer ist die Jagd eine Leidenschaft. Sie ist ihm nun zum Verhängnis geworden. Nach dem Tod von Simbabwes Nationallöwen Cecil wird er selbst zum Gejagten, wird mit Drohungen in und außerhalb des Netzes überhäuft. "Verrotte in der Hölle", steht auf einem Plakat, das jemand an die Tür seiner Zahnarztpraxis gehängt hat.

Er selbst ist abgetaucht. Die Praxis hat er vorübergehend geschlossen und auch die dazugehörige Website ist abgeschaltet, nachdem eine Flut von wütenden Kommentaren aufgelaufen war. Wie es nun weitergehen soll, nachdem sein Name und sein Gesicht weltweit als Symbol blutiger Großwild-Jagd im Internet zu finden ist, weiß er wohl selbst nicht. Palmer ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

Palmer ist eine kleine Berühmtheit unter Großwildjägern. 2009 porträtierte ihn sogar die "New York Times" mitsamt seiner Jagd auf Rekorde. Schon im Alter von fünf Jahren lernte er das Schießen. Mittlerweile jagt er nur noch auf archaische Weise mit der Armbrust. Ein Gewehr trägt er nur zur Absicherung. Noch aus fast 100 Metern könne er mit dem Pfeil eine Spielkarte treffen, schrieb die Zeitung.

In einem Statement verteidigte er sich gegen die Vorwürfe. Der Zahnarzt versicherte, er habe sich auf die "Expertise seiner örtlichen Führer" verlassen, um sicherzustellen, dass die Jagd legal sei. Er habe nicht gewusst, dass Cecil der Liebling der Parkbesucher und Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprogramms gewesen sei. "Ich bedauere zutiefst, dass das Hobby, das ich so liebe und mit großer Verantwortung und in völliger Legalität verfolge, zum Tod dieses Löwen führte", hieß es weiter.

Mit dem Gesetz in Konflikt

Dass er so stark die "Legalität" seines Handelns betont, hat offenbar Gründe in der Vergangenheit. Schon früher hat er bewiesen, dass er bereit ist, für den Jagderfolg bis an die Grenzen des Erlaubten zu gehen. Im Jahr 2008 kam er mit dem Gesetz in Konflikt, weil er einen Schwarzbären außerhalb der legalen Jagdzone erlegt hatte. Um das zu vertuschen, soll er das Tier nach seinem Tod eigens in ein Gebiet transportiert haben, das für die Jagd freigegeben war.

Auch im Fall Cecil werfen ihm Jagdhüter perfide Methoden vor. So soll er mit Unterstützung seiner Jagdhelfer aus Simbabwe einen Köder an ein Auto gebunden und den Löwen so aus dem Nationalpark gelockt haben. Außerhalb der Schutzzone durfte er dann auf die Raubkatze anlegen und schießen. Simbabwe hatte ihm die Jagdgenehmigung für angeblich 45.000 US-Dollar erteilt – alles legal. Das afrikanische Land erlaubt die Großwildjagd unter strengen Auflagen in bestimmten Gebieten. Für etliche Unternehmen ist die Organisation solcher Jagdreisen zu einem einträglichen Geschäft geworden.

Im Nationalpark wird das Schlimmste befürchtet

Längst hat die Aufregung um Cecils Tod eine neue Dimension erreicht. Wieder einmal steht der Sinn solcher Jagden infrage. Schon mehrfach hatten Berichte über die Großwildjagd auf Elefanten, Raubkatzen, Bären oder anderen großen Tieren im Internet Empörungswellen ausgelöst, nie aber in der Intensität wie jetzt im Fall Cecil. Eine Online-Petition hat mittlerweile 700.000 Stimmen gesammelt. Sie fordert Gerechtigkeit für Cecil und will Simbabwe dazu bringen, die Großwildjagd ein für alle Mal zu verbieten.

Der britische Wissenschaftler David Macdonald, der Cecil jahrelang beobachtete, hofft zumindest auf mehr Unterstützung beim Schutz von Löwen. "Ich hoffe, dass etwas Gutes daraus entsteht hinsichtlich der Profilierung des Schutzes von Löwen in aller Welt", sagte der Forscher der Nachrichtenagentur AFP.

In Simbabwes Hwange-Nationalpark erwartet Macdonald allerdings erst einmal weitere Todesopfer. Weil nach dem Tod eines Männchen dessen Nachfolger oft gegen die Nachkommen und Brüder seines Vorgängers vorgeht, könne Cecils Tötung eine "Kaskade weiterer Todesfälle" auslösen.

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