EU-Kommission: Chaos auf Flughäfen ist "inakzeptabel"
VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 21.12.2010 - 20:29Brüssel (RPO). Ob auf den Straßen, den Schienen oder in der Luft - das Winterwetter legt seit Tagen den kompletten Nah- und Fernverkehr in Europa lahm. Die größten europäischen Airports haben massive Probleme bei der Beseitigung des Schnees. Das ruft die EU-Kommission auf den Plan. Sie kritisiert den Umgang mit dem Schneechaos auf den Flughäfen aufs Schärfste.
London-Heathrow, Paris und Frankfurt. Auf den größten Flughäfen Europas sehen Passagiere seit Tagen dasselbe Bild: Der Schnee türmt sich auf den Start- und Landebahnen und die Räumfahrzeuge kommen mit dem Beseitigen kaum nach. Die Folge: Tausende Flüge sind ausgefallen, der gesame Flugverkehr ist lahm gelegt.
Besonders hart hat es den größten Airport Europas in London-Heathrow erwischt. Zwei Drittel der Verbindungen fielen aus, Passagiere harrten in der Kälte aus und Hilfskräfte verteilten wärmende Decken und beheizte Zelte. Sogar die britische Regierung schaltete sich ein. Premier David Cameron schlug am Dienstag vor, die nationalen Streitkräfte für die Schneeräumung zu mobilisieren.
500 Flüge fielen aus
In Frankfurt herrschte ein ähnliches Bild. Am Dienstagvormittag ging am größten deutschen Flughafen nichts mehr. Der Airport war für mehrere Stunden geschlossen. Von 1300 geplanten Starts fielen über 500 aus. Lange Schlangen bildeten sich vor den Informationsschaltern der Airlines.
In Paris-Charles de Gaulle mussten fast 3000 Passagiere eine weitere Nacht in den Terminals verbringen. Die Europäische Flugaufsicht Eurocontrol berichtete, dass am Dienstag europaweit 3000 Flüge gestrichen wurden. In den Tagen zuvor dürften es ähnlich viele gewesen sein.
Das Schneechaos auf den europäischen Flughäfen hat nun die EU-Kommission auf den Plan gerufen. Der Brüsseler Verkehrkommissar Siim Kallas zeigte sich verärgert. Er kritisierte das Vorgehen der Flughafen-Verantwortlichen im Umgang mit dem Winterwetter: "Das ist inakzeptabel und darf sich nicht wiederholen."
Stockholm meldet keine Probleme
Kallas plant nun, die Flughafenbetreiber der wichtigsten Drehkreuze an einen Tisch zu holen, um sie für zukünftige Einsätze besser zu rüsten. Kallas erwarte Erklärungen, wie es zu dieser untragbaren Situation kommen konnte. Andernfalls sei es notwendig, Mindestanforderungen an Flughäfen zu erlassen, so der EU-Kommissar.
Doch es gibt auch andere Beispiele. Stockholm beispielsweise. Für den Stadtflughafen Arlanda war es ein Wintertag wie jeder andere auch: 15 Grad unter Null, mehr als einen halben Meter Schnee. "Wir haben nicht die geringsten Probleme", so Anders Bredfell vom Hauptstadtflughafen. Es sei alles eine Frage der Organisation und der Übung. Beides müsse bereits im Vorwege sicher gestellt werden, heißt es aus Schwedens Hauptstadt weiter.
Die Lufthansa hat derweil angekündigt, ab morgen wieder zum regulären Flugplan zurück zu kehren. Das Unternehmen sehe "gute Chancen" für einen nahezu normalisierten Flugbetrieb, so eine Sprecherin am Dienstag. Sowohl die internationalen als auch die Flugverbindungen innerhalb Europas sollen am Mittwoch wieder planmäßig abgewickelt werden.
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