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Massaker in Schwarzen-Kirche
Angehörige der Opfer vergeben dem Charleston-Täter

Charleston: Angehörige der Opfer vergeben dem Attentäter
Der mutmaßliche Täter Dylann R. FOTO: ap
Charleston . Nach dem Massaker an Schwarzen in einer Kirche in Charleston im US-Staat South Carolina soll der mutmaßliche Täter wegen neunfachen Mordes vor Gericht gestellt werden.

Der 21-Jährige erschien am Freitag über eine Videoschaltung erstmals vor Gericht. Die Familien der neun Opfer richteten sich dabei mit emotionalen Stellungnahmen an ihn - und zeigten Vergebung. Gouverneurin Nikki Haley forderte dagegen die Todesstrafe für den Täter.

"Ich vergebe dir, meine Familie vergibt dir", sagte Anthony Thompson, der Angehörige einer Toten. Die Familien der Opfer würden gerne sehen, dass Dylann R. Reue zeige. "Tue das und dir wird es besser gehen", sagte Thompson. Alana Simmons sagte, obwohl ihr Großvater und die anderen Opfer durch eine Tat des Hasses gestorben seien, werde der Hass nicht gewinnen.

"Charleston ist eine sehr starke Gemeinschaft. Wir haben große Herzen. Wir sind eine liebende Gemeinschaft", sagte Richter James Gosnell. Er forderte die Bürger auf, auch der Familie des jungen Mannes durch diese schwere Zeit zu helfen. Bürgermeister Joseph Riley sagte, eine hasserfüllte Person sei mit verrückten Ideen in die Gemeinschaft gekommen. Anstatt Charleston zu trennen, habe er die Stadt aber näher zusammengebracht.

Der Strafverteidiger des Beschuldigten, teilte mit, dessen Familie drücke ihren "Schock, Kummer und Unglauben" über die Tat aus.

R. sprach in der Videoschaltung vom Gefängnis nur kurz, um Fragen des Richters zu beantworten. Unter anderem sagte er auf die Frage nach seinem Arbeitgeber, er sei arbeitslos. R. zeigte auch keine Regung, als die Familien ihn vom Gerichtssaal aus über die Leinwand direkt ansprachen.

"Wir haben dich am Mittwochabend mit offenen Armen in unserer Bibelgruppe willkommen geheißen", sagte Felecia Sanders, die das Massaker in der Emmanuel African Methodist Episcopal Church überlebt hatte, anders als ihr Sohn. R. war in die Bibelstunde gekommen und hatte nach Angaben der Ermittler fast eine Stunde lang mit den Gläubigen zusammengesessen, bevor er das Feuer eröffnete. "Du hast einige der wunderbarsten Menschen getötet, die ich kenne", sagte Sanders zu R. "Jede Faser meines Körpers tut weh." Aber auch sie sagte: "Möge Gott dir gnädig sein."

Unter den neun Toten ist auch Clementa Pinckney, der ein langjähriger Abgeordneter und Senator der Demokraten im Staat South Carolina, aber auch gleichzeitig Pastor in der Kirche war. Die anderen acht Opfer spielten ebenfalls eine große Rolle in der historischen Kirche: Sie waren etwa Pastoren, Lehrer oder Chorsänger.

In der Nacht zum Samstag sollte in Charleston eine Nachtwache abgehalten werden. Ein Gedenkort an das Verbrechen wurde bereits vor der Kirche aufgebaut, an dem Menschen ununterbrochen Blumen und kleine Notizen niederlegten.

Dem Verdächtigen wird neben Mord auch Waffenbesitz bei der Begehung einer Straftat vorgeworfen. Der Richter setzte die Kaution für den letzteren Punkt auf eine Million Dollar fest. Wegen der Mordvorwürfe steht noch eine weitere Kautionsanhörung an. Einer polizeilichen Erklärung zufolge machte R. gegenüber einem Überlebenden zudem eine rassistische Bemerkung.

Das Justizministerium erklärte, es erwäge auch eine Anklage auf Bundesebene, unter anderem werde wegen des Verdachts auf Hassverbrechen und Terrors gegen R. ermittelt. Justizministerin Loretta Lynch erklärte aber, dass manchmal Anklage auf Ebene der einzelnen Staaten besser geeignet seien. Gouverneurin Haley sagte dem Fernsehsender NBC, sie wolle den Schützen "unbedingt" mit dem Tod bestraft sehen.

(ap)
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