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Verdächtiger des Charleston-Massakers
Dylan Roofs Schwester sorgt für Empörung mit Spendenaktion

Charleston: Dylan Roofs Schwester sorgt für Empörung wegen Spendenaktion
Inzwischen ist auf der Crowdfunding-Seite nur noch zu lesen, dass die Kampagne vom Initiator zurückgezogen wurde. FOTO: Screenshot GoFundMe
Washington. Wenige Tage nach der Bluttat von Charleston wollte die ältere Schwester von Dylann Roof heiraten, angesichts der Tragödie sagte sie die Feier ab. Nun aber muss auch sie sich Kritik im Internet gefallen lassen –  weil sie Spenden für eine Neuauflage der Hochzeit sammeln wollte.

Es war am 18. Juni dieses Jahres, als ein weißer Mann während der Bibelstunde in einer Methodistenkirche in Charleston neun Schwarze vermutlich aus rassistischen Motiven erschoss. Festgenommen wurde kurz darauf der 21-jährige Weiße Dylann Roof, dem nun neunfacher Mord vorgeworfen wird und bei einer Verurteilung die Todesstrafe droht.

Nur drei Tage später sollte eigentlich ein fröhlicher Tag für die Familie werden, denn Dylann Roofs ältere Schwester wollte an diesem Tag heiraten. Angesichts des Blutbades aber sagte sie die Feier ab. Stattfinden soll die Hochzeit dennoch demnächst, doch das Geld dafür wollte das Brautpaar nicht selbst aufbringen, sondern setzte auf Spenden aus dem Netz – was ihr nun massiv Kritik einbrachte.

Dylann Roof soll neun Schwarze in einer Kirche in Charleston erschossen haben. FOTO: ap

Wie "The Post and Courier" und andere US-Medien berichten, hatte Roofs Schwester auf der Seite GoFundMe einen Aufruf zum Spenden gestartet, um dem Paar einen Neuanfang zu ermöglichen. 5000 Dollar wollte sie so zusammenbekommen und beschrieb auch ausführlich die Beweggründe.

Eigentlich hätte der Hochzeitstag der wichtigste Tag ihres Lebens sein müssen, schrieb die junge Frau laut der Medienberichte dort. "Unser Tag war das genaue Gegenteil. Der Tag unserer Hochzeit war voller Kummer, Schmerz und Schande, verdorben durch die Handlungen eines einzelnen Mannes." 

Mann schießt in Charleston auf Kirchenbesucher FOTO: ap

Sie schreibt davon, dass ihr Traum-Tag zerstört worden sei und dass sie weiß, dass auch das gespendete Geld ihnen nicht "die Hochzeit, die wir verloren haben, und den perfekten Tag" zurückgeben könnte, aber es würde dem Paar helfen, neue Erinnerungen zu schaffen.

Am Ende schreibt sie noch, dass zehn Prozent des eingesammelten Geldes an die afrikanische Methodisten-Kirche gespendet werden soll. Doch positiv fassten das nur wenige auf. "Das ist die egoistischste und unsensibelste Fundraising-Seite, die ich je gesehen habe", zitiert "The Post and Courier" einen Kommentar auf der Seite. Ein anderer habe neun Dollar gespendet – explizit für die neun Opfer des Massakers.

Auch in den sozialen Netzwerken war die Kritik groß. "Ist das ein schlechter Scherz?", "ernsthaft?", fragen da manche Twitterer. Eine andere nennt es "pure Selbstsucht", ein Mann kommentiert die Berichte mit: "Manche Menschen haben Nerven." 

Inzwischen hat Dylan Roofs Schwester die Kampagne laut GoFundMe zurückgezogen. Sie selbst, so schreibt "The Post and Courier", sei für einen Kommentar nicht zu erreichen gewesen.

(das)
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