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"Charlie Hebdo"-Chefredakteur
"Das Lachen ist schwieriger geworden"

Erste Ausgabe danach: "Charlie Hebdo" ausverkauft
Erste Ausgabe danach: "Charlie Hebdo" ausverkauft FOTO: dpa, el ks
Paris/München. Fünf Monate sind vergangen seit dem blutigen Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo". In einem Interview spricht der Chef des Magazins über die Arbeit nach dem Terrorakt. Er sagt: "Das Lachen ist schwieriger geworden."

Islamistische Terroristen hatten im Januar 2015 die Räume der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" gestürmt und dabei elf Menschen getötet. Weltweit bekundeten die Menschen ihre Solidarität mit dem Blatt, der Satz "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") wurde zum Symbol. Die erste Zeitschrift, die nach dem Anschlag erschien, war auch in Deutschland innerhalb von Minuten vergriffen.

Dass die Arbeit auch für die Macher des Magazins inzwischen eine andere ist, macht Chefredakteur Gérard Biard im Gespräch mit dem "Focus" deutlich. "Viele meiner Kollegen sind seit dem Anschlag in psychologischer Behandlung, sie sind erschöpft", sagte Biard dem Magazin. Alle stünden unter ständigem Polizeischutz – "in der Redaktion, aber auch auf Recherchen und im Privatleben". "Stellen Sie sich vor, bei Recherchen immer in Begleitung von Polizisten aufzulaufen", so Biard weiter. 

Beerdigung der Terroropfer von Paris FOTO: dpa

Man wolle die Leser zum Lachen bringen und daher werde eigentlich viel bei der Arbeit gelacht, so der Chefredakteur. "Aber auch das Lachen ist schwieriger geworden. Wir sind ein Symbol geworden – das ist nicht gut, denn es ist nicht die Rolle einer Zeitung."

"Charlie Hebdo" hat nach Angaben Biards derzeit rund 200.000 Abonnenten, vor dem Anschlag waren es 8000. Auch der Kiosk-Verkauf stieg demnach von 30.000 auf 150.000 Exemplare.

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