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Französisches Satiremagazin
Charlie Hebdo zeigt Karikaturen mit totem Flüchtlingskind

Diese Fotos bewegten die Welt
Diese Fotos bewegten die Welt FOTO: Nilüfer Demir/Dogan News Agency/AFP
Düsseldorf. Das französische Magazin "Charlie Hebdo" hat zwei Karikaturen veröffentlicht, die das Bild des toten Flüchtlingsjungen Aylan thematisieren. Im Netz wird Kritik laut, man dürfe den Tod des Kindes nicht für Satire missbrauchen.

Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" ist bekannt für seine kontroversen Karikaturen. Derzeit sorgt das Magazin mit zwei Karikaturen des toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi für Aufsehen. Der Titel der neuesten Ausgabe zeigt die Leiche des im Alter von drei Jahren gestorbenen Jungen am Strand. Neben ihm steht ein Schild, das das Clown-Maskottchen der Fastfood-Kette McDonalds zeigt. Auf dem Schild steht auf Französisch: "Angebot: Zwei Kinder-Menüs zum Preis von einem." Die Karikatur ist überschrieben mit den Worten: "Willkommen, Flüchtlinge! So nah am Ziel..."

Im Innern der Ausgabe gibt es eine zweite Karikatur, die auf den Tod von Aylan anspielt. Sie zeigt einen Mann auf dem Meer neben einem ertrinkenden Kind, von dem nur noch die Füße aus dem Wasser ragen. Daneben steht: "Der Beweis, dass Europa christlich ist. Die Christen gehen übers Wasser. Muslimische Kinder ertrinken." Dien Figur des Mannes, der über das Wasser geht, spielt offensichtlich auf Jesus Christus an.

Der drei Jahre alte Aylan Kurdi aus Syrien hatte Anfang September versucht, mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder mit einem Boot über das Meer von der Türkei nach Griechenland zu flüchten. Das Boot kenterte und Aylan, sein Bruder und seine Mutter starben mit mehreren weiteren Flüchtlingen. Aylans Leiche wurde am Strand von Bodrum angespült. Eine Fotografin machte ein Foto, das Bild ging um die Welt.

Im Netz gibt es viel Kritik für die Karikaturen in "Charlie Hebdo". Es sei nicht richtig, Aylans Tod für satirische Zwecke zu nutzen, schreiben viele Nutzer. "Geschmacklos" urteilt ein Nutzer bei Twitter. "Diese Satire verspottet nicht die Mächtigen, sondern die Machtlosen", schreibt ein anderer.

Die Redaktion von Charlie Hebdo war Anfang Januar Ziel eines terroristischen Anschlags geworden. Zwölf Menschen starben. Menschen in aller Welt zeigten ihre Anteilnahme unter dem Hashtag #JesuisCharlie. Wenige Wochen später nahmen die Redakteure und Karikaturisten ihre Arbeit wieder auf.

Die Karikaturen zu Aylan hat der Künstler Laurent "Riss" Sourisseau gezeichnet, schreibt "The Independent". Er wurde bei dem Anschlag auf das Magazin an der Schulter angeschossen, überlebte und ist seitdem leitender Karikaturist des Magazins.

(lsa)
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