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Tsunami-Warnung für Pazifikregionen
Schweres Erdbeben fordert Todesopfer in Chile

September 2015: Schweres Erdbeben erschüttert Chile
September 2015: Schweres Erdbeben erschüttert Chile FOTO: afp, MB/ii
Santiago . Ein schweres Erdbeben hat Chile erschüttert und eine Tsunami-Warnung mitsamt Massenevakuierung ausgelöst. Durch das Beben der Stärke 8,3 starben am Mittwoch (Ortszeit) nach Behördenangaben vom Donnerstag mindestens fünf Menschen, ein weiterer wurde vermisst.

Etwa eine Million Menschen an der Küste des südamerikanischen Landes mussten wegen Tsunami-Gefahr ihre Häuser verlassen. Größere Schäden wurden zunächst aber nicht gemeldet, doch versuchten sich Behördenvertreter noch bis tief in die Nacht ein genaueres Bild von der Lage zu machen. Für weite Teile der Küstenregion riefen die Behörden einen Tsunami-Alarm aus, die gleiche Warnung gilt auch für den US-Staat Hawaii, später zogen die Behörden in Neuseeland nach. Aus einigen Küstenstädten Chiles wurden bereits kleinere Tsunami-Wellen gemeldet.

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ereignete sich das Beben am Mittwoch um 19:54 Uhr vor der Pazifikküste, sein Epizentrum lag 228 Kilometer nord-nordwestlich von Santiago in einer Tiefe von zwölf Kilometern. Zunächst hatte die USGS die Stärke des Bebens mit 7,9 angegeben, korrigierte den Wert jedoch rasch auf 8,3. Chiles Behörden sprachen gar von Stärke 8,4.

Das Beben entfaltete eine so starke Wucht, dass es sogar in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zu spüren war. In Chiles Hauptstadt Santiago gerieten Gebäude ins Wanken, Menschen rannten auf die Straßen.

Binnen Minuten kam es zu mehreren starken Nachbeben mit Stärken zwischen 6,0 und 7,0. Auf Aufnahmen des Staatsfernsehens waren überflutete Straßen in Concón zu sehen, einer für ihre schönen Strände bekannte Küstenstadt nahe Valparaíso. Hochwasser wurde auch aus anderen Städten gemeldet, doch bislang keine Riesenwellen.

Bewohner tieferliegender Gegenden entlang der 3900 Kilometer langen Pazifikküste wurden angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. Das betroffene Gebiet erstreckt sich vom Ort Puerto Aisén im Süden nach Arica im Norden. In einer Reaktion auf die Behördenansage fuhren zahlreiche Autos landeinwärts, um die Menschen in höhergelegene Gegenden zu bringen. Dort sollten sie solange bleiben, bis die Behörden die Situation am Donnerstagmorgen überblickt hätten, mahnte Staatschefin Bachelet. Schon am Vorabend wurde die Tsunami-Warnung für die südlichsten Regionen wieder aufgehoben, überall sonst blieben sie jedoch bestehen. Zudem wurde der Flughafen von Santiago geräumt, am Donnerstag fiel fast überall im Land der Schulunterricht aus.

In der rund 280 Kilometer nördlich von Santiago gelegenen Kleinstadt Illapel hielten etliche Lehmhäuser der Wucht des Bebens nicht stand, wie die Behörden meldeten. Bürgermeister Denis Cortes berichtete im Gespräch mit einem örtlichen TV-Sender zudem von einem Stromausfall im Ort. "Wir haben große Angst. Unsere Stadt ist in Panik", sagte er.

Chile gehört zu den erdbebenanfälligsten Ländern der Welt. Denn direkt vor der Küste kollidiert die tektonische Nazca-Platte mit der kontinentalen Südamerika-Platte und drückt so die Anden-Gebirgskette in höhere Lagen.

Das jüngste Beben ist das stärkste seit einem Erdstoß der Stärke 8,8 und einem nachfolgenden Tsunami mit mehr als 500 Toten im Jahr 2010. Damals wurden Hafenanlagen und Badeorte fortgespült. Die Tragödie hatte tiefgreifende politische und praktische Auswirkungen: Sowohl gegen Erdbeben als auch gegen Tsunamis wappnete sich der Andenstaat mit verbesserten Alarmsystemen.

Das stärkste je registrierte Beben der Welt ereignete sich auch in Chile. Ein Erdstoß der Stärke 9,5 riss 1960 mehr als 5000 Menschen in den Tod.

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(ap/AFP)
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