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Nach dem Erdbeben: Chilenen machen ihrem Zorn Luft

zuletzt aktualisiert: 06.03.2010 - 18:59

Concepcion (RPO). Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Chile warten manche Überlebende noch immer auf staatliche Hilfen. In ihrer Verzweiflung richtet sich der Zorn der Obdachlosen vor allem gegen die scheidende Präsidentin Michelle Bachelet. Sie werfen ihr ein schlechtes und zu langsames Krisenmanagement nach dem Beben der Stärke 8,8 vor.

"Bei den staatlichen und örtlichen Behörden haben wir ein Erdbeben der Desorganisation erlebt", klagt der 44-jährige Fernando Valenzuela, der mit seiner Frau in einer Zeltstadt bei Dichato in der Nähe des Epizentrums untergekommen ist.  Nur die Winzigkeit von einem Prozent der Hilfe sei vom Staat gekommen. "Die Regierung ist schlecht organisiert", schimpft Valenzuela.

Das Gebiet um Dichato wurde nach dem Beben von Tsunamis verwüstet, die selbst große Schiffe bis zu zwei Kilometer ins Landesinnere spülten. Zwar landeten Transportflugzeuge mit Wasser, Lebensmitteln und Feldbetten in der Nähe. Doch die 30 Kilometer entfernten Zeltstädte haben sie bisher nicht erreicht.

Viele Überlebende sind zudem wütend, weil sie nicht rechtzeitig vor den Tsunamis gewarnt wurden, die erst Stunden nach dem Beben mit Riesenwellen das Land trafen. Die Marine hat eingeräumt, dass ihr Frühwarnsystem versagt hat und den Verantwortlichen für die Katastrophenwarnungen entlassen.

Als Konsequenz aus diesem Versäumnis entließ die Marine am Freitag den Leiter der Ozeanografie-Abteilung, Mariano Rojas. Er habe Präsidentin Bachelet "sehr unklare Informationen" übermittelt, ob die Warnung vor dem Tsunami aufrechtzuerhalten oder aufzuheben sei, teilte das Militär mit und kündigte eine offizielle Untersuchung an.

Panne um Todesopfer

Das war nur eine von etlichen Pannen. So musste die Regierung die Zahl der Opfer revidieren, weil die Behörden Vermisste für tot erklärten, obwohl sie überlebt hatten. Der Staat sprach am Freitag von 452 identifizierten Todesopfern, machte aber keine Angaben über nicht identifizierte Leichen oder Vermisste. Der neue konservative Präsident Sebastian Pinera, der am Donnerstag als Nachfolger der Sozialistin Bachelet ins Amt eingeführt wird, hat eine Reform des Katastrophenschutzes angekündigt.

Etliche Überlebende werfen Bachelet vor, nicht sofort nach dem Erdbeben Soldaten auf die Straßen geschickt zu haben. Die Präsidentin habe zu lange damit gewartet, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen, klagt der Bäcker Ivan Gonzalez Ruiz aus der Hafenstadt Talcahuano, dessen Laden geplündert wurde.

Wohlmeinende führen das Zögern Bachelets darauf zurück, dass ein rascher Einsatz der Armee die Chilenen an die brutale Militärdiktatur von 1973 bis 1990 erinnert hätte. "Michelle Bachelet wollte ihre Amtszeit nicht so beenden", glaubt Gonzalez Ruiz, der gleichwohl kein Verständnis dafür aufbringt. Es sei absolut notwendig gewesen, die Soldaten einzusetzen, um das Plündern zu beenden. "Aber sie zögerte zu lange."

Uno gibt zehn Millionen Dollar

Die Vereinten Nationen stellen derweil zehn Millionen Dollar (rund 7,4 Millionen Euro) für die Erdbebenopfer bereit. Das kündigte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach seiner Ankunft in Santiago de Chile am Freitag (Ortszeit) an, wo er mit Präsidentin Michelle Bachelet zusammentraf.

"Chile leistete besonders großzügig Hilfe für Haiti, als das Land Beistand brauchte", sagte Ban in der chilenischen Hauptstadt. Nun sei es an der Zeit für die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft, den Menschen in Chile beizustehen. Präsidentin Bachelet sagte, die Uno habe unter anderem Nothilfe, technische und finanzielle Unterstützung zum Wiederaufbau angeboten.

Aus Angst vor Nachbeben schliefen auch eine Woche nach dem Beben tausende Chilenen in der Region südlich der Hauptstadt im Freien. Am Freitag versetzten kurz nacheinander drei schwere Beben die Menschen in Panik, das schwerste hatte die Stärke 6,8.

Ab Sonntag sollte eine dreitägige nationale Trauer beginnen, um den Menschen zu helfen, die Katastrophe zu verarbeiten. Bachelet rief die Bevölkerung auf, zu diesem Anlass ihre Häuser mit Fahnen zu schmücken.

Quelle: RTR/AFP/das

 
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