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Unglücksschiff auf dem Jangtse
Bergungskräne drehen Schiffswrack - Voraussichtlich 440 Tote

China: Bergungskräne drehen Schiffswrack - Voraussichtlich 440 Tote
Das gekenterte Kreuzfahrtschiff auf dem Jangtse soll mit zwei Kränen aufgerichtet werden. FOTO: ap
Jianli . Es gab keine Spur mehr von Überlebenden. So wurde das Schiffswrack gedreht. Jetzt beginnt die Bergung der Leichen. Nur 14 der 456 Menschen an Bord des Touristenschiffes konnten lebend geborgen werden.

Vier Tage nach dem Schiffsunglück auf dem Jangtse ist die Zahl der Opfer auf 103 gestiegen. Fast 340 Passagiere werden noch vermisst, wie die chinesischen Behörden am Freitag berichteten. Die Überlebenschancen der Opfer sind nach Einschätzung der Helfer sehr gering. Gerettet wurden bislang 14 Menschen.

Das Schiff war am Montag mit 456 Menschen an Bord nahe Damazhou in der Provinz Hubei in einen Zyklon geraten und gekentert. Mittlerweile konnten Einsatzkräfte laut Staatsmedien das havarierte Schiff aufrichten und schrittweise aus dem Wasser heben, sodass das Wasser aus den Kabinen lief. Das Schiff hatte zuvor mit dem Kiel nach oben am Ufer des mächtigen Jangtse-Stroms gelegen.

Am Donnerstag hatten die Einsatzkräfte begonnen, das Boot mit Hilfe eines Krans zu stabilisieren, so dass es nicht auf den Grund des Jangtse sinken konnte. Mehr als 200 Taucher arbeiteten im Dreischichtsystem und suchten eine Kabine nach der anderen ab. Nach der Aufrichtung des Schiffs hatten Taucher Stahlstangen angebracht. Dann wurde das Schiff von zwei 500-Tonnen-Kränen gehoben.

Kreuzfahrtschiff kentert auf dem Jangtse-Fluss in China FOTO: ap

Bei dem Unglück dürfte es sich um die folgenschwerste maritime Katastrophe in China seit sieben Jahrzehnten handeln. An Bord des Schiffes waren überwiegend Chinesen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren. Sie waren auf dem Jangtse von der Stadt Nanjing in die Millionenmetropole Chongqing unterwegs. Der Kapitän und der erste Maschinist, die beide überlebten, waren in Polizeigewahrsam genommen worden.

Verwandte von Passagieren hatten die Frage aufgeworfen, ob das Schiff trotz Wetterwarnung hätte weiterfahren dürfen. Unterlagen der Seefahrtsbehörde von Nanjing zeigen zudem, dass vor zwei Jahren Sicherheitsmängel an dem Unglücksschiff festgestellt worden waren.

Die Ermittlungen in die Ursache des Unglücks läuft. "Viele Fragen bleiben unbeantwortet", stellte das Staatsfernsehen fest. Der Kapitän, der wie der Chefingenieur überlebte, hatte von einem Tornado gesprochen, der das vierstöckige Schiff in Schieflage und "in ein bis zwei Minuten" zum Kentern gebracht habe.

Wegen des schlechten Wetters hatten mindestens zwei andere Schiffe in der Gegend gestoppt und waren vor Anker gegangen, während der "Stern des Orients" trotz des Sturms weitergefahren war.

(dpa)
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