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China
Stadtverwalter nimmt sich nach Erdrutsch in Shenzhen das Leben

China: Stadtverwalter begeht nach Erdrutsch in Shenzhen Selbstmord
FOTO: dpa, hy jak
Peking . Nach dem gigantischen Erdrutsch von einer Bauschutthalde im chinesischen Shenzhen hat sich der zuständige Behördenchef das Leben genommen.

Der Chef der für den Bezirk zuständigen Behörde, in dem sich das Unglück ereignete, habe sich in den Tod gestürzt, teilte die Polizei am Montag mit. Bei dem Erdrutsch in Shenzhen, durch den mehr als 30 Gebäude verschüttet wurden, kamen nach offiziellen Angaben sieben Menschen ums Leben. 75 Menschen gelten indes noch als vermisst. Laut der Zeitung des für Bodenschätze zuständigen Ministeriums stammte die Lawine von einer Bauschutthalde in einem alten Steinbruch, die unsachgemäß befüllt worden war. Der Erd- und Schuttberg erreichte eine Höhe von hundert Metern, bevor er sich durch heftigen Regen in eine gigantische Schlammlawine verwandelte und sich über ein Industriegebiet von Shenzhen ergoss.

Die städtischen Ordnungskräfte, die in China als Chengguan bekannt sind, sind für die Einhaltung von Recht und Ordnung zuständig, etwa was Verkaufsstände oder das Halten von Haustieren angeht. Wegen ihres oft brutalen Vorgehens haben sie in den vergangenen Jahren jedoch einen zunehmend schlechten Ruf bekommen. 2013 etwa wurde ein Wassermelonen-Verkäufer von einem Chengguan zu Tode geprügelt. Einem Bericht zufolge, der später gelöscht wurde, war der Stadtbeamte, der sich nun das Leben genommen hat, für die Aufsicht über die Befüllung der Bauschutthalde in Shenzhen zuständig.

Suizid eines Minenbetreibers

Erst am Sonntag hatten die Staatsmedien über die Selbsttötung des Betreibers einer Gipsmine berichtet, bei deren Einsturz ein Mensch ums Leben gekommen war, 25 Arbeiter sind noch verschüttet. Ma Congbo sei während der Rettungsarbeiten in einen Bergwerksbrunnen gesprungen und dort ertrunken, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag.

Auch zwei Tage nach dem Unglück waren noch 17 Bergarbeiter unter den Trümmern gefangen. In der Gipsmine in der Provinz Shandong war es am Freitag zu einem Einsturz gekommen. Bewegungen im Schacht und bröckelndes Gestein behinderten laut Medienberichten die Arbeit des 700 Mann starken Rettungsteams.

In China, wo es häufig zu Unglücken kommt, müssen die Besitzer unsicherer Bergwerke mit harten Strafen rechnen. Erst 2010 wurde ein Minenbesitzer von einem Gericht zu Tode verurteilt, nachdem 17 Menschen durch illegal gelagerten Sprengstoff in der Nähe eines Bergwerks in der nördlichen Provinz Shanxi zu Tode gekommen waren.

In den ersten neun Monaten dieses Jahre kamen 420 Menschen auf dem chinesischen Festland bei Bergwerksunfällen ums Leben, wie die Behörde für Arbeitssicherheit mitteilte. Menschenrechtler beklagen derweil, dass Minenunglücke oft nicht gemeldet würden, da die Medien in China nicht frei arbeiten könnten und das Land weder über unabhängige Gewerkschaften noch andere Überwachungsmechanismen verfüge.

(felt/AFP/dpa)
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