Anklage soll entlastende Beweise zurückhalten: Chodorkowski erhebt Vorwürfe gegen Staatsanwaltschaft
zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 21:03Moskau (RPO). Im Prozess gegen den einstigen Ölmilliardär und inhaftierten Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski hat der Angeklagte der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im Prozess gegen ihn entlastendes Beweismaterial zurückzuhalten. Chodorkowski beteuert seine Unschuld.
Der Anklage lägen Unterlagen vor, die seine Unschuld belegten, sagte Chodorkowski am Montag vor einem Moskauer Gericht. Er äußerte sich zum Auftakt der Zeugenvernehmung in dem zweiten gegen ihn angestrengten Prozess. Staatsanwalt Waleri Lachtin wies die Angaben des Kreml-Kritikers zurück und erklärte, er halte kein Beweismaterial zurück.
Chodorkowski und seinem ehemaligen Geschäftspartner Platon Lebedew werden Unterschlagung und Diebstahl in Milliardenhöhe vorgeworfen. Sie sollen Öl von Tochterfirmen des damaligen Jukos-Konzerns im Wert von umgerechnet rund 20 Milliarden Euro unterschlagen haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen bis zu 22 Jahre Gefängnis. Viele Beobachter halten den Prozess für politisch motiviert. Chodorkowski, der einst als reichster Mann Russlands galt, sowie Lebedew plädierten auf nicht schuldig.
Der frühere Chef des zwischenzeitlich zerschlagenen Ölkonzerns Jukos verbüßt derzeit eine achtjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung und Betrugs. Seine Festnahme 2003 wurde als politisch motiviert betrachtet, da sich Chodorkowski einer zunehmenden staatlichen Kontrolle des Ölsektors und damit auch dem damaligen Präsidenten Wladimir Putin widersetzte.
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