Zweite Enzyklika von Papst Benedikt: Christliche Hoffnung gegen neuzeitliche Ideologien
zuletzt aktualisiert: 30.11.2007 - 12:25Vatikanstadt (RPO). Papst Benedikt XVI. hat am Freitag seine zweite Enzyklika veröffentlicht. Darin stellt er die christliche Hoffnung weltlichen Zukunftsverheißungen und einer blinden Fortschrittsgläubigkeit gegenüber. Alle Versuche und Theorien, menschliche Vernunft und Freiheit ohne Gott zum Maßstab einer vollkommenen Weltordnung zu machen, hätten sich als unzureichend erwiesen, so der Papst.
In seinem 80-seitigen Lehrschreiben betont Benedikt XVI., letztlich sei Gott das Fundament der Hoffnung, und Hoffnung sei das Kennzeichen des Christentums: "Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos." Das Dokument trägt den lateinischen Titel "Spe salvi" (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet).
Das Christentum sei keine sozialrevolutionäre Botschaft und Jesus kein Freiheitskämpfer. Vielmehr habe er die Begegnung mit Gott gebracht und damit die Begegnung mit einer Hoffnung, betont der Papst in seinem theologisch und philosophisch anspruchsvollen Schreiben. Die gegenwärtige Glaubenskrise ist für Benedikt XVI. vor allem eine Krise der christlichen Hoffnung.
Selbstkritik der Neuzeit gefordert
Dabei setzt er sich mit den Ideen der Französischen Revolution wie auch mit Kant, Marx und Engels bis hin zu Adorno und Horkheimer auseinander. Wissenschaft und politische Theorien hätten sich als überfordert erwiesen, was die Erlösungserwartung des Menschen betrifft. Vernunft und Glauben brauchten einander. Notwendig sei eine "Selbstkritik der Neuzeit im Dialog mit dem Christentum und seiner Hoffnungsgestalt". Es verlange aber auch von der Kirche, dass sie sich nicht in eine Privatsphäre zurückziehe, sondern in der Welt neu positioniere.
Ausdrücklich wendet sich der Papst gegen eine unpersönliche Jenseits-Vorstellung. Der Himmel sei "nicht leer" und das Leben nicht nur bloßes Produkt der Gesetze und des Zufalls der Materie.
Um rechte Ordnung ringen
Jede Generation müsse neu um die rechten Ordnungen der menschlichen Dinge ringen, forderte der Papst. Gute Strukturen könnten zum Gutsein der Welt beitragen, aber sie allein reichten nicht aus, wiederholte er bereits früher geäußerte Vorbehalte. Denn der Mensch könne "nie einfach nur von außen her erlöst werden" - und keinesfalls durch die Wissenschaft. Diese könne zwar vieles zur Vermenschlichung der Welt beitragen, sie aber auch zerstören, wenn sie nicht von höheren Kräften geordnet würde.
Der Papst forderte zugleich kirchliche Selbstkritik ein. Angesichts der Erfolge der Wissenschaft in Sachen Weltgestaltung habe sich das neuzeitliche Christentum weitgehend auf das Individuum und sein Heil zurückgezogen. Auch wenn es gute Bildungs- und Sozialarbeit leiste, habe es damit "den Radius seiner Hoffnung verengt und auch die Größe seines Auftrags nicht genügend erkannt", mahnte Benedikt XVI.
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