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Johannes Paul II.: "Dank für diesen großen Hirten“

VON BERNHARD HÜLSEBUSCH - zuletzt aktualisiert: 03.04.2006 - 10:29

Rom (RP). Zum ersten Todestag Johannes Pauls II. versammelten sich am Wochenende mehrere hunderttausend Pilger in Rom. Papst Benedikt XVI. würdigte seinen Vorgänger als einen "großen Menschen der Kirche".

Wie sich die Bilder gleichen: Millionen Gläubige waren Anfang April 2005 trauernd an der Bahre von Johannes Paul II. im Petersdom vorbeizogen – und eine schier unübersehbare Menschenmenge war auch am Sonntag auf dem Petersplatz präsent, um dieses ,,Jahrhundertpapstes“ zu gedenken. Kamen 200.000 oder gar 300.000 Katholiken zum ersten Todestag Karol Woijtylas auf die grandiose Piazza vor dem Dom?

Die Schätzungen gehen auseinander. Aber sicher ist: Der Andrang übertraf alle Erwartungen. Schon am Samstag waren über 60000 Polen, Deutsche, Spanier, ja sogar Russen in der Ewigen Stadt eingetroffen. Am Sonntag Mittag dann – bei strahlender Sonne – wuchs das Pilgerheer auf der Piazza San Pietro. Und eine lange Menschenschlange wand sich hinunter in die vatikanischen Grotten, zum schlichten Grab des polnischen Pontifex.

Auf der Piazza Christen aus aller Herren Länder, polnische, italienische, spanische Fahnen und ein babylonisches Sprachengewirr. Laien und Nonnen, katholische Gruppen und individuelle Rucksacktouristen, Familien, Rentner – aber auch sehr viele Jugendliche, die sich gut an Johannes Paul II., den Erfinder der Weltjugendtage, erinnern. ,,Wojtyla hat uns unendlich viel gegeben,“ sagt Michele aus Neapel, während Cristina aus Barcelona betont: ,,Ich stand der Kirche fern, doch der polnische Pontifex hat mich zum Glauben zurückgeführt.“

"Öffnet die Türen für Christus!"

Gespannt wartete die Menge auf die traditionelle Sonntagsansprache des Papstes, also von Johannes Pauls Nachfolger. Pünktlich um 12 Uhr öffnet sich das bekannte Fenster, Benedikt XVI. grüßt die Pilger und erinnert sogleich an seinen Vorgänger. ,,Was hat uns dieser große Papst, der die Kirche ins dritte Jahrtausend führte, hinterlassen?“

Sein Erbe sei enorm, aber die Botschaft des langen Pontifikates könne man in dem (berühmt gewordenen) Appell Johannes Pauls vom 22.Oktober 1978 zusammenfassen: ,,Öffnet die Türen für Christus!“ Nach dem Angelusgebet begrüßt Ratzinger mit einer Mischung von Ernst und gütigem Lächeln die Besucher in den verschiedensten Sprachen. Auf Deutsch sagt er: ,,Wir alle wollen dem Herrn für diesen großen Menschen und Hirten der Kirche, Johannes Paul II., danken. Karol Wojtyla sei uns ein Vorbild.“

Dann wendet sich der Pontifex auch an die polnischen Pilger. Und erfreut sie damit, dass er ,,inzwischen so phantastisch gut polnisch spricht“, wie ein Vikar aus Krakau lobt. Italiener und Polen bilden später das Gros jener Pilger, die sich auf der Piazza zum Rosenkranzgebet versammeln.

"Sancto subito"

Um 21.37 Uhr die Erinnerung an die Todesstunde Wojtylas. Während die Glocken des Petersdoms (und gleichzeitig jene der Kathedrale von Krakau) läuteten, öffnete sich das Fenster des Apostolischen Palastes und Benedikt XVI. betete mit der Menge. Ein beispielloses Ereignis in der Kirchengeschichte.

Und eine erneute Würdigung für einen Papst, der über 26 Jahre lang die Kirche regierte und bei dessen Bestattungsfeier am 8. April 2005 Sprechchöre erklangen: ,,Sancto subito“ (Sofort heilig!). Kirchenexperten berichten denn auch über den Fortgang des Seligsprechungsprozesses – mit der Beatifikation, der Vorstufe der Heiligsprechung, sei allerdings wegen der zahlreichen Zeugen wohl erst in drei Jahren zu rechnen. Für unzählige fromme Polen und Italiener ist Karol Wojtyla schon jetzt ein "Santo".

Quelle: alfa

 
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