Erdbeben in Haiti: Das Wunder vom Hotel Montana
zuletzt aktualisiert: 18.01.2010 - 13:21Port-au-Prince (RPO). Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben sinkt die Hoffnung der Retter, Opfer lebend unter den Trümmern zu finden. Die Geschichte der deutschen Hotel-Besitzerin Nadine Cardoso wirkt vor diesem Hintergrund wie ein kleines Wunder. Die 62-Jährige wurde am Sonntag beinahe unversehrt gerettet. Andere Bewohner des Hotels Montana hatten weniger Glück.
Wahrscheinlich sind es Momente wie dieser, die den rund um die Uhr arbeitenden Rettungskräften in Port-au-Prince Hoffnung geben. Als die Helfer aus Israel und Kolumbien Nadine Cardoso aus den Trümmern des Hotels ziehen, bemerken sie keine schweren Verletzungen bei der rüstigen Frau. Sie schnallen die Deutsche auf eine Trage, legen ihr eine Sauerstoffmaske an. Kurze Zeit später stellen die Sanitäter fest: Die Frau ist stark dehydriert (Flüssigkeitsmangel). Sonst fehlt ihr nichts.
Ein seltener Fall. Denn Experten geben verschütteten Erdbebenopfern im Normalfall Chancen für drei Tage bzw. 72 Stunden. Danach drücken Wassermangel, knappe Atemluft sowie der Blutverlust durch Verletzungen die Überlebenschancen auf ein Minumum. Nadine Cardoso hatte Glück. Die Mitbesitzerin des Promi-Hotels überstand ihr Martyrium in einem Hohlraum, der genug Luft zum Atmen bot. Über ein Handy konnte sie die Helfer zudem per SMS-Nachrichten auf sich aufmerksam machen. Zudem beschreibt ihr Mann ihr körperliche Verfassung als stark. "Sie ist unzerstörbar", sagte der Mann einem US-Sender.
Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00 oder online unter: www.caritas-international.de
Deutsches Rotes Kreuz, Spendenkonto: 41 41 41 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00 Stichwort: Haiti Online-Spenden unter: www.DRK.de/spenden
16 Deutsche werden vermisst
Andere Bewohner hatten weniger Glück. Ein 28-jähriger Kaufmann aus Hamburg verlor im Hotel sein Leben. Er wurde von den einstürzenden Betonmassen erschlagen. Der Mann saß mit einem Bekannten auf dem Balkon. Der Bekannte konnte sich retten. Die Polizei in Schleswig-Holstein überrachte einem Medienbericht zufolge seiner Familie die Todesnachricht. Insgesamt werden unter den Trümmern des Hotels noch immer 200 Menschen vermutet. Auf Haiti werden weiterhin auch 16 Deutsche vermisst, wie das Außenministerium bestätigt.
Insgesamt sind 1700 Rettungskräfte im Katastrophengebiet im Einsatz. Verschüttete könnten unter optimalen Bedingungen bestenfalls bis zum heutigen Montag überleben, erklärte eine Sprecherin der Vereinten Nationen. In der Hauptstadt Port-au-Prince spielen sich indes weiterhin dramatische Szenen ab.
So gibt es für die 85 überlebenden Bewohner eines Altenheims weder Lebensmittel, Wasser oder Arzneimittel. Ein Bewohner ist bereits gestorben, weitere werden unweigerlich folgen, wenn nicht unverzüglich Wasser und Nahrungsmittel in dem Heim nur gut einen Kilometer vom Flughafen entfernt eintreffen, klagt der Leiter der Einrichtung.
Plünderer zusammengeschlagen und erschossen
Zudem kommt es in der Stadt immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Am Alten Markt im Stadtzentrum ging die Polizei mit Tränengas gegen hunderte von steinewerfenden Plünderern vor. Mit Lastwagen fuhren die Sicherheitskräfte in die Menge und versuchten so, die Menschen auseinanderzutreiben.
In vielen Straßen der in Trümmern liegenden Stadt sind Gewehrschüsse zu hören. Vermummte junge Männer ziehen mit Macheten durch die Stadtviertel. Die Behörden warnten davor, dass sich die Gewalt weiter ausbreiten könnte. Zwei Plünderer wurden bereits von Anwohnern zusammengeschlagen und erschossen.
Auch gegen Präsident Rene Preval richtet sich der Zorn der Menschen. Bislang ließ sich Preval weder bei den Rettungskräften sehen, noch wandte er sich seit dem Beben direkt an das Volk. Deshalb mehren sich die Rufe nach einer Rückkehr von Jean-Bertrand Aristide, der 2004 abgesetzt wurde und derzeit im Exil in Südafrika lebt.
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