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Nach Protesten im August 2014
Delrish Moss – ein schwarzer Polizeichef für Ferguson

Delrish Moss – ein schwarzer Polizei-Chef für Ferguson
Delrish Moss bei seiner Vereidigung durch Richter Donald McCullin. FOTO: ap
Ferguson. Die US-Kleinstadt ist zum Symbol für den Alltagsrassismus in den USA geworden. Die Karriere von Delrish Moss zeigt: Es tut sich etwas. Von Frank Herrmann

Eigentlich wollte Delrish Moss im September in Pension gehen, nach 32 Jahren im Polizeidienst die Uniform an den Nagel hängen. Nun hängt er noch eine Extrarunde dran – eine, die es in sich hat. Der Afroamerikaner aus Miami wird Polizeichef von Ferguson, der Kleinstadt am Rande von St. Louis, die im August 2014 in die Schlagzeilen geriet, nachdem die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf den dunkelhäutigen Teenager Michael Brown wochenlange Proteste ausgelöst hatten.

In Ferguson ist Moss der erste Schwarze in diesem Amt, und er ist Teil einer Reformbewegung in einer Stadt mit einer Zweidrittelmehrheit schwarzer Bewohner, deren Entscheidungsträger noch in jenem Unruhesommer fast ausnahmslos Weiße waren. Fünf der sechs Mitglieder des Gemeinderats, der Bürgermeister, der Polizeichef: alles Weiße. Mittlerweile haben die Bürger Fergusons vier Mitglieder mit dunkler Haut in den Rat gewählt.

Vorgänger musste nach Untersuchungsbericht gehen

Der Mann an der Spitze des Police Department, ein Veteran namens Thomas Jackson, musste seinen Hut nehmen, nachdem ein Untersuchungsbericht des amerikanischen Justizministeriums ein schockierendes Bild gezeichnet hatte: Es zeigte Polizeikräfte, die Schwarze schikanierten, sie deutlich häufiger kontrollierten, ihnen deutlich höhere Bußgelder abknöpften und deutlich seltener ein Auge zudrückten, als dies bei Weißen der Fall war. Auf Jackson folgten zwei Interimskandidaten, nun hat Moss den Zuschlag bekommen, ein 51-Jähriger, der in seiner Jugend ziemlich deprimierende Erfahrungen mit Männern in Uniform machte.

In Overtown, dem traditionellen Schwarzenviertel Miamis, wurde er von einer Streife angehalten, ohne dass es einen Anlass gegeben hätte. Zwei Beamte, beide weiß, schubsten ihn gegen eine Wand, bevor sie ihn abtasteten. Wortlos. Keiner der beiden, so Moss später, habe ihm auch nur mit einer Silbe erklärt, warum er durchsucht werde. "Danach beschloss ich, dass ich Polizist werden musste, um diesen Leuten beizubringen, wie man mit Leuten umgeht", sagte er einmal in einem Interview mit dem "Miami Herald". "Außerdem hatte ich die Hoffnung, dass ich eines Tages ihr Boss werden und sie dann feuern könnte."

Eine Zeit lang in der Mordkommission gearbeitet

Als sich die angestaute Wut in Overtown 1980 in heftigen Krawallen entlud –eine Polizeipatrouille hatte einen afroamerikanischen Motorradfahrer nach filmreifer Verfolgungsjagd zu Tode geprügelt, ohne hinterher dafür bestraft worden zu sein –, machte Moss eine Erfahrung, wie sie auch Ferguson prägte, als dort reihenweise Geschäfte in Flammen aufgingen. Die Menschen, die am meisten unter der Zerstörung zu leiden hätten, seien nicht die Beamten, auch nicht die Ladenketten, die eine Filiale abschreiben mussten. "Es sind die Menschen, die dort leben. Ich kann das beurteilen, denn ich war einer von ihnen."

1984 rekrutiert, arbeitete Moss eine Zeit lang in der Mordkommission und wurde schließlich Sprecher des Miami Police Department. Dass er sich aufs Kommunizieren versteht, soll man in Ferguson besonders geschätzt haben, denn genau dafür hatte der alte, in der Öffentlichkeit oft unbeholfen wirkende "Chief" Jackson nicht das geringste Talent.

Noch bevor Moss am Montagabend seinen Amtseid leistete, gab er zu verstehen, dass er sie rigoros umzukrempeln gedenkt, eine Polizeitruppe, der noch vor zwei Jahren – bei insgesamt 53 Beamten – gerade mal drei Schwarze angehörten und in deren Reihen sich seither wenig geändert hat. So eine Truppe müsse das Gesicht ihrer Stadt widerspiegeln, und keiner könne ihm erzählen, dass es in der Stadt Ferguson nicht genügend geeignete Afroamerikaner gebe.

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