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Mai-Krawalle in Berlin: Demonstranten: Polizisten schlugen mit Schlagstöcken zu

zuletzt aktualisiert: 02.05.2008 - 10:57

Berlin (RPO). Nach den Ausschreitungen in Berlin werfen die Organisatoren der 1.-Mai-Demonstrationen der Polizei ein zu rabiates Vorgehen vor. Mindestens ein Zivilpolizist habe seine Dienstwaffe gegen Demonstranten gerichtet. Zudem hätten 15 zum Teil vermummte Zivilpolizisten Teilnehmer der Demonstration mit Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen.

Die Polizei wollte zu den Vorwürfen zunächst nicht Stellung nehmen und verwies auf eine Pressekonferenz mit Polizeipräsident Dieter Glietsch um 13 Uhr.

Polizeipräsident Dieter Glietsch war am Abend nur knapp einer Attacke von Demonstranten entkommen. Die Autonomen machten Jagd auf Glietsch, nachdem dieser an der Spitze eines Demonstrationszugs von Fotografen in ein Blitzlichtgewitter gehüllt worden war. Sie bewarfen ihn mit Flaschen, Steinen und Stühlen. Personenschützer brachten den Polizeipräsidenten, der unverletzt blieb, in einem ihrer Mannschaftswagen in Sicherheit. Der wegfahrende Wagen wurde mit Steinen, Flaschen, Stühlen und Fahrrädern beworfen, ständig wurden Feuerwerkskörper gezündet.

In der Folge wurden dutzende Demonstranten festgenommen, eine genaue Zahl konnte die Polizei zunächst nicht nennen. Insgesamt nahmen an den Demonstrationen und dem so genannten Myfest laut Polizeiangaben "tausende Menschen" teil. Der Angriff auf den Polizeipräsidenten sei glimpflich verlaufen, sagte eine Sprecherin.

Sowohl bei der Polizei als auch bei den Demonstranten gab es Verletzte, auch hier wurden zunächst keine Zahlen mitgeteilt. Bis 21 Uhr sei der 1. Mai friedlich verlaufen. Mit steigendem Alkoholpegel sei es dann zu Auseinandersetzungen gekommen.

Krawalle auch in Hamburg

In Hamburg hatten sich bis zum Mittag in Barmbek laut Polizei zeitweise bis zu 6600 Gegendemonstranten versammelt. Die Organisatoren sprachen von mehr als 10.000 Teilnehmern. Zu dem Aufzug der rechtsextremen NPD versammelten sich etwa 1100 Anhänger, 400 mehr als angemeldet. Mehrere Busse mit NPD-Anhängern wurden von linken Gegendemonstranten angegriffen. Diese zertrümmerten mit Steinwürfen sämtliche Scheiben der Fahrzeuge.

Nach Informationen des NDR wurden von Teilnehmern der NPD-Demonstration auch Journalisten angegriffen, darunter ein Kamerateam des Senders. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften aus mehreren Bundesländern im Einsatz, konnte aber ein Aufeinandertreffen von NPD-Anhängern und Linken nicht verhindern. An einigen Stellen kam es zu Schlägereien zwischen rechten und linken Gruppen.

Auch nach dem offiziellen Ende der Gegendemonstration zogen nach Schätzungen der Polizei etwa 4000 meist vermummte Linksautonome in Gruppen durch die Straßen und griffen immer wieder Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen an. Diese setzten Wasserwerfer ein. Die Lage entspannte sich laut Polizei erst am Abend etwas, als der Neonazi-Aufmarsch beendet wurde und die Rechtsradikalen abzogen. Bereits in der Nacht zuvor war es nach einer Walpurgisnacht-Demonstration von etwa 1000 Linksautonomen zu Krawallen gekommen.

Neonazis besetzen Regionalexpress

Auf dem Weg nach Hamburg haben Neonazis einen Regionalzug besetzt und Passagiere beschimpft. Ein Bundespolizeisprecher sagte auf ddp-Anfrage, rund 60 zum Teil vermummte Rechtsradikale hätten am späten Vormittag im Regionalexpress von Pinneberg (Schleswig-Holstein) nach Hamburg die ersten beiden Waggons geentert und anderen Reisenden den Zutritt mit den Worten "Dies ist eine geschlossene Gesellschaft" verweigert. Damit bestätigte die Polizei einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

Die Rechtsradikalen hätten Hetzparolen skandiert, sagte der Sprecher. Anders als in dem Bericht dargestellt hätten Bundespolizisten nicht tatenlos zugesehen und die Neonazis nach dem Vorfall unbehelligt am Bahnhof Hamburg-Dammtor aussteigen lassen. Vielmehr sei der telefonische Notruf einer Zeugin erst bei der Bundespolizei eingegangen, als der Zug bereits im Bahnhof gehalten habe. Sofort alarmierte Einsatzkräfte hätten dann niemanden mehr angetroffen.

Dem Bericht zufolge sollen sich die Rechtsradikalen während der Fahrt der Lautsprecheranlage im Zug bemächtigt und nach Aussagen von Fahrgästen gegrölt haben: "Ab heute transportiert die Deutsche Bahn AG Ausländer und Deutsche getrennt". Für Ausländer stünden "Güterwagen zur Verfügung". Das Zutrittsverbot gelte "nicht für skandinavische Ausländer" und "auch nicht für Ausländer, die einen gültigen Sterilisations-Ausweis haben".

Quelle: ap

 
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