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Urteil im Madoff-Prozess erwartet: Der größte Betrüger aller Zeiten

zuletzt aktualisiert: 29.06.2009 - 15:00

Washington (RPO). Bernard Madoff war einst der Liebling der New Yorker Finanzwelt. Jetzt wird er wahrscheinlich bis an sein Lebensende im Gefängnis sitzen. Mit einem Schneeball-System hatte er Anleger um Milliardensummen geprellt und den wohl größten Betrug der Geschichte eingefädelt. Am Montag wird das Urteil erwartet.  

Finanzbetrüger Bernrad Madoff im Januar beim Verlassen des Gerichts in New York.  Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA, AFP
Finanzbetrüger Bernrad Madoff im Januar beim Verlassen des Gerichts in New York. Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA, AFP

Drei Monate hatte Bernard Madoff Zeit, sich von seinem Leben als weltweit verehrter Starinvestor an der Wall Street zu verabschieden. Seit Mitte März lebt der geständige Milliardenbetrüger als Häftling Nummer 61727-054 in einer fünf Quadratmeter großen Zelle im Stadtgefängnis von New York. Am Montag wird er sein beengtes Zuhause noch einmal verlassen dürfen, um vor Gericht der Verkündung seiner Strafe beizuwohnen. Seine Anwälte bitten um Gnade. Seine zahlreichen Opfer aber wollen, dass der 71-Jährige zu Lebzeiten nicht mehr freikommt.

"Umfang, Dauer und Art von Madoffs Verbrechen ermöglichen es, gegen ihn die Höchststrafe zu verhängen, die vom Gesetz vorgeschrieben ist", heißt es in einer Mitteilung von Staatsanwalt Lev Dassin, die das Gericht in New York am Samstag veröffentlichte. Im Fall des einstigen Star-Investors der Wall Street sei eine Haftstrafe von 150 Jahren "angemessen". Die Strafe müsse jedoch in jedem Fall sicherstellen, "dass Madoff lebenslang im Gefängnis bleibt". Zudem solle sie potenzielle Betrüger "mit Nachdruck abschrecken". Experten gehen davon aus, dass Madoff mindestens 20 Jahre Gefängnis bekommen wird.

Geständnis zu Prozessbeginn

Gleich zu Prozessbeginn im März hatte sich Madoff in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. In dem Verfahren sprach er von Reue, von Scham und von dem unwiderstehlichen Reiz des Geldes, der seinen kühnen Anlagebetrug erst möglich gemacht habe. In den 1990er Jahren habe sein Schneeballsystem begonnen. "Ich dachte, ich könnte es schnell zu Ende bringen und mich und meine Kunden aus der Sache rausholen", sagte Madoff. "Das erwies sich als schwierig und am Ende als unmöglich." Zu übermächtig sei die Eigendynamik geworden, die der Erfolg seines Systems nach sich gezogen habe.

Am Montag wird Madoff zum Abschluss des Verfahrens noch einmal mit seinen Opfern konfrontiert werden, von denen er viele in den Ruin geführt hat. Richter Denny Chin will einige der Geschädigten zu Wort kommen lassen, sie sollen erklären, welche Strafe für Madoff sie für angemessen halten. Noch einmal wird sich also die hilflose Wut jener entladen, deren Lebensgrundlage Madoff zerstört hat. Das 62-jährige Madoff-Opfer Ron Weinstein bringt die Stimmung auf den Punkt: "Dieser Abschaum darf nie mehr das Tageslicht sehen."

Zu den Geschädigten gehören Prominente wie der Regisseur Steven Spielberg, aber auch Stiftungen wie die des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel sowie Tausende von Privatanlegern, Pensionsfonds, Hedgefonds und wohltätige Einrichtungen. Auch Banken in Europa investierten bei Madoff.

Geld ist verschwunden

Auch zum Ende des Verfahrens bleiben große Fragen im Raum stehen. Madoffs Pyramidensystem war so kompliziert, dass die Ermittler noch nicht einmal das genaue Ausmaß des Schadens berechnen konnten. Sie gehen davon aus, dass er etwa 13 Milliarden Dollar von seinen Investoren bekam. Zuvor war von bis zu 50 Milliarden Dollar die Rede. Etwa eine Milliarde Dollar kamen durch die Beschlagnahme von Madoffs Villen, Jachten und Juwelen zusammen. Ob er noch weitere Vermögenswerte versteckt hat, ist nicht klar. Der vom Gericht bestellte Konkursverwalter Irving Picard beklagte, dass Madoffs bei der Verortung seiner Besitztümer nicht sehr kooperativ gewesen sei.

Ebenso offen wird letztlich die Frage bleiben, wie ein einziger Mann durch einen Trick über Jahrzehnte hinweg eine Milliardensumme ergaunern konnte, ohne dass irgend jemand etwas merkte. Die Antwort ist wohl zum einen in Madoffs Persönlichkeit zu suchen, wo sich außerordentliches geschäftliches Talent mit krimineller Raffinesse verband, und zum anderen in seinem Umfeld, wo ungebändigtes Profitstreben selbst den grundlegendsten aller Kontrollmechanismen, den gesunden Menschenverstand, außer Kraft setzte.

Auf wundersame Weise losgelöst vom Auf und Ab der Börsen brachte Madoffs Fonds den Anlegern über die Jahre gleichmäßig hohe Gewinne ein. Dass es sich dabei um ein Schneeball-System handelte, bei dem die Erträge nicht durch Börsengewinne, sondern allein durch die Einlagen neuer Kunden bezahlt wurden, wussten die Anleger nicht. Nicht einen einzigen Dollar habe er wie vereinbart am Kapitalmarkt investiert, gab Madoff inzwischen zu. Das gesamte Geld habe er auf Bankkonten deponiert, ehe das System im Dezember zusammenbrach.

Sollte das Gericht am Montag in allen Anklagepunkten die Höchststrafe verhängen, wird das Urteil auf 150 Jahre Haft lauten. Madoffs Anwalt Ira Sorkin bat um Milde: Da sein 71-jähriger Mandant nach aktueller durschnittlicher Lebenserwartung in den USA nur noch 13 Jahre zu leben habe, sei eine Haftstrafe von zwölf Jahren angemessen.

Quelle: AFP

 
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