Ein Jahr nach dem Amoklauf: Der lange Schatten von Emsdetten
zuletzt aktualisiert: 20.11.2007 - 13:59Emsdetten (RPO). Erst die Amokpläne am Kölner Georg-Büchner-Gymnasium, heute der Wirbel an einer Schule in Kaarst bei Düsseldorf. Die Nerven bei vielen Schülern und Lehrern sind angespannt. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Amoklauf von Emsdetten jährt sich heute zum ersten Mal. Ein Schüler war maskiert in die Geschwister-Scholl-Schule eingedrungen und hatte das Feuer eröffnet. Dort ist man sich heute sicher: Die Krise ist überwältigt.
Rund 720 Menschen hatten sich in der Emsdettener St. Pankratius-Kirche eingefunden und sich unter anderem mit Liedern Mut gemacht, sagte der Zweite Konrektor der Schule, Herbert Schäfer. Anschließend sei in der dritten und vierten Schulstunde über das Ereignis vom vergangenen Jahr gesprochen worden. Dabei erhielten die Schüler Unterstützung von Psychologen.
Zeitgleich hatte in Kaarst (bei Düsseldorf) eine neue Amokwarnung für Aufregung gesorgt. Das Georg Büchner Gymnasium im Stadtteil Vorst war am Morgen gesperrt worden. Schüler und Lehrer wurden nach Hause geschickt. Grundlage für die Entscheidung war ein Hinweis aus Finnland. Dort hatten Ermittler verdächtige Einträge auf einer Internet-Seite endeckt. Inzwischen gaben die Behörden Entwarnung.
Emsdetten: Der lange Weg zur Normalität
Die Verantwortlichen in Emsdetten sehen die Lage heute als normalisiert an. Die Zahl der Neuanmeldungen von Schülern sei trotz des Ereignisses nicht gesunken, bilanzierte die Rektorin der Schule, Karola Keller, am Montag in Emsdetten. Das sei ein "klarer Vertrauensbeweis" der Eltern in die pädagogische Arbeit der Lehrer.
Den Schülern, Eltern und Lehrern stehen nach Angaben der Stadt aber auch ein Jahr nach der Tat noch zwei Psychologen sowie eine Hotline zur Verfügung, um das Ereignis aufzuarbeiten. Beide Angebote würden angesichts des Jahrestages wieder vermehrt in Anspruch genommen.
"Das ist aber völlig normal", sagte der Psychologe und Trauma-Experte Thomas Weber. "An Jahrestagen werden Betroffene häufig von Erinnerungsbildern an das Ereignis überflutet." Verstärkt werde dies nun durch die Nachrichten von dem jetzt in Köln rechtzeitig verhinderten Amoklauf an einem Gymnasium.
Gewachsene Sensibilisierung
Das erfolgreiche Verhindern des Amoklaufes in Köln führt Emsdettens Bürgermeister Georg Moenikes (CDU) auch auf eine gewachsene Sensibilisierung in der Bevölkerung seit dem Geschehen in Emsdetten zurück: "Das mag dazu beigetragen haben, dass in Köln die Täter schon im Vorfeld von ihrer Tat abgehalten werden konnten."
Für das Image der Stadt habe der Amoklauf vor einem Jahr "keine negativen Folgen" gehabt, stellte Moenikes fest. Die Einwohnerzahl lege gegen den demografischen Trend weiter zu. Auch gebe es weiterhin einen regen Zuzug von jungen Familien in die 36.000-Einwohner-Stadt.
"Wir haben die Krise bewältigt. Doch ist dieses Ereignis bis heute einschneidend für unsere Stadt. Niemand in Emsdetten wird das je vergessen", betonte Moenikes.
Vor einem Jahr, am 19. November 2006, war ein ehemaliger Schüler maskiert in die Geschwister-Scholl-Schule eingedrungen und hatte wild um sich geschossen. Dabei wurden insgesamt 37 Personen verletzt, darunter Schüler, eine Lehrerin, Polizeibeamte und der Hausmeister. Der 18-jährige Täter erschoss sich anschließend in einem der Klassenzimmer. Die Schule wurde nach dem Amoklauf laut Stadt für rund 390.000 Euro saniert.
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