Besuch auf Malta: Der Papst trifft Missbrauchsopfer
zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 - 19:12Valletta (RPO). Papst Benedikt XVI. besucht die traditionell tief dem katholischen Glauben verhaftete Insel Malta. Am Sonntagmittag traf er mit einer kleinen Gruppe von Missbrauchsopfern zusammen. Er habe sich tief bewegt gezeigt, meldete der Vatikan.
Die Begegnung fand nach Abschluss der großen Messe in der Apostolischen Nuntiatur von Malta statt, wie der Vatikan anschließend mitteilte. Der Papst sei tief bewegt gewesen von den Schilderungen der Teilnehmer. Er habe seine Scham und sein Leid über den Schmerz der Opfer und ihrer Familien bekundet. Die Betroffenen zeigten sich zufrieden mit der Begegnung.
Der Papst habe mit den Opfern gemeinsam gebetet, erläuterte der Vatikan weiter. Er haben ihnen versichert, dass die Kirche jetzt und in Zukunft alles in ihrer Macht stehende tun werde, um die Anschuldigungen aufzuklären, die für den Missbrauch Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um junge Menschen in Zukunft zu schützen.
An dem 20-minütigen Treffen nahmen acht Männer zwischen 30 und 40 Jahren teil. Vatikansprecher Federico Lombardi sprach vor Journalisten von einem "dichten, aber sehr entspannten Klima". Die Gespräche seien in einem freundlichen Ton verlaufen. Dabei habe es auch Augenblicke des Lächelns gegeben, "keine Furcht, kein Gefühl von Bedrücktheit". Die Begegnung habe mit einem Moment des stillen Gebets im Knien begonnen. Danach empfing der Papst laut Lombardi die Personen einzeln und hörte ihre Anliegen auf Englisch und Italienisch.
Nach dem Treffen zeigten sich die Teilnehmer zufrieden. "Ich bewundere den Papst für den Mut, uns zu treffen", zitiert die "Times of Malta" auf ihrer Internetseite den Sprecher der Gruppe, Lawrence Grech. Das Kirchenoberhaupt sei beschämt über die Verfehlungen. Ein anderer Teilnehmer wird mit den Worten zitiert: "Wir haben jetzt Frieden in unseren Herzen, weil der Papst die Zeit gefunden hat, sich mit uns zu treffen."
Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung "Malta Today", Karl Stagno Navarra, wertete die Begegnung als "sehr wichtiges Zeichen". Der Papst habe sein Schweigen gebrochen, aber nicht vor der Öffentlichkeit, sondern im Privaten. Das sei ein besonderes Zeichen von Demut, meinte der Journalist. "Denn es ist einfacher, vor vielen Kameras zu sprechen, als mit den Opfern direkt".
Lombardi schloss auch für die Papstreise nach Großbritannien im September ein Treffen Benedikt XVI. mit Missbrauchsopfern nicht aus. Solche Begegnungen könnten aber "keine generelle Verpflichtung" für alle Reisen sein. Ein päpstliches Reiseprogramm müsse unterschiedlichen Gruppen Rechnung tragen. Man könne nicht immer Zeichen in alle Richtungen setzen. Ob es weitere Begegnungen mit Missbrauchsopfern gebe, hänge von der jeweiligen Situation und von Vorschlägen der Ortsbischöfe ab.
Lombardi betonte, dass derartige Treffen ohnehin nur mit einigen Personen stattfinden könnten, nicht "mit Tausenden". "Der Papst tut damit seinen Teil, einen Hinweis auf die Richtung zu geben, in die zu gehen ist". Die Ortskirche müsse nach ihren Möglichkeiten weitere Schritte tun. Benedikt XVI. lege Wert darauf, dass solche Begegnungen in einem persönlichen, von Gebet geprägten und diskreten Rahmen stattfänden.
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