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Luftverkehr Concorde panorama
  Foto: AP, AP
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Zehn Jahre nach der Katastrophe: Der späte Prozess um den Concorde-Absturz

VON KARIN FINKENZELLER UND JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 01.02.2010 - 09:38

(RP). Mit Spannung wird am Niederrhein ein Strafprozess erwartet, der zehn Jahre nach dem Unglück ab Montag in Paris klären soll, wer für den Tod von 113 Menschen verantwortlich ist. 17 der Opfer stammten aus Mönchengladbach, Düsseldorf und Umgebung.

Paris/Mönchengladbach Fast zehn Jahre sind vergangen, seit die Concorde mit der Air-France-Flugnummer 4590 abgestürzt ist – nur wenige Augenblicke, nachdem sie am 25. Juli 2000 kurz vor 17 Uhr vom Flughafen Charles de Gaulle in Paris in Richtung New York gestartet war. Alle 109 Menschen an Bord des Überschall-Flugzeuges kamen damals ums Leben. Weitere vier Menschen starben in dem Hotel, auf das die Concorde stürzte. Erst ein Jahrzehnt später müssen sich nun ab Montag vor einem Strafgericht in der französischen Hauptstadt diejenigen für die Katastrophe verantworten, die laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft für sie verantwortlich sind.

Für die Hinterbliebenen der Todesopfer bedeutet der Prozess einerseits die Hoffnung, endlich den Grund für den schmerzhaften Verlust ihrer Angehörigen zu erfahren. Andererseits aber auch das erneute Wühlen in einer vermutlich niemals heilenden Wunde. An Bord der abgestürzten Concorde waren im Juli 2000 insgesamt 97 Deutsche. 17 von ihnen stammten aus Mönchengladbach, Düsseldorf und Umgebung. Sie alle zählten zu einer Reisegruppe, die von New York aus zu einer Kreuzfahrt in die Karibik starten wollten.

Die Nachricht vom tragischen Ende ihrer Reise verbreitete sich damals in ihrer Heimat rasch. Viele Menschen in Mönchengladbach, die sich damals auf die 100-Jahr-Feier des Fußballklubs Borussia freuten, standen unter Schock. "Eine ganze Stadt ist in Trauer", sagte am Abend des Unglückstages der damalige Mönchengladbacher Bürgermeister Michael Schroeren (CDU).

Hunderte von Mönchengladbacher Bürgern trugen sich in die ausliegenden Kondulenzbücher ein und brachten auf diese Weise ihr Mitgefühl zum Ausdruck. In der Rheydter Hauptkirche kamen Hunderte zu einem ökumenischen Gedenk-Gottesdienst zusammen. Zum Schutz der Trauernden durfte die Presse nicht teilnehmen. Eine zunächst geplante Radio-Übertragung wurde abgesagt. "Menschen, die immer da waren, sind nicht mehr. Wir halten inne. Wir merken jetzt, was uns fehlt", lauteten damals die Worte von Pfarrer Ulrich Meihsner.

Ein Jahr nach dem tragischen Unglück am Pariser Flughafen Charles de Gaulle gründete der Anwalt Christof Wellens den Verein "Crash – Gesellschaft für Opferhilfe", in dem heute die meisten der Angehörigen der Absturz-Opfer organisiert sind. Der Jurist vertrat 25 Familien. Schon 2001 einigten sich die Fluggesellschaft Air France und die Hinterbliebenen außergerichtlich über die Frage der Entschädigungszahlungen. Insgesamt zahlte die Airline 300 Millionen Euro. Eine Summe, die nach Einschätzung von Experten weitaus über der liegt, die in Europa normalerweise bei Flugzeugunglücken gezahlt wird. Christof Wellens ist sich sicher, dass "nur sehr vereinzelt" Angehörige zum Prozess nach Paris reisen werden. Wahrscheinlich wollen sie vermeiden, dass sie die ohnehin niemals ganz verschwindende Trauer erneut bedrückt.

Vor dem Strafgericht in Paris sitzen zehn Jahre nach dem Absturz fünf Angeklagte auf der Anklagebank: John Taylor, ein ehemaliger Wartungstechniker der US-Fluggesellschaft Continental Airlines, der das Metallteil montiert haben soll, das die vor der Concorde gestartete Maschine auf der Startbahn verloren hatte. Dieses Metallteil hat einer Untersuchung zufolge einen Reifen des Überschall-Flugzeugs zum Platzen gebracht. Herumfliegende Reifenteile sollen dann den Tank der Concorde leck geschlagen und die Katastrophe ausgelöst haben.

Auch Taylors damaliger Vorgesetzter sowie der ehemalige Leiter des Concorde-Programms bei der EADS-Vorgängerin Aerospatiale, der einstige Chefingenieur für die Concorde, und der Chef der zivilen Luftfahrtbehörde DGAC müssen sich wegen fahrlässiger Tötung in insgesamt 113 Fällen verantworten. Die drei Franzosen sollen laut Anklageschrift von Sicherheitsmängeln an den Concorde-Tanks bei großer Schlageinwirkung gewusst haben.

Die Beweislage aber ist dünn. Immer wieder werden Zweifel an den Gutachten laut, auf denen die Anklage basiert. Doch egal, wie das Urteil lautet und wann es gesprochen wird – der Opfer-Anwalt Christof Wellens ist sich sicher: "Um ihren Schock und den Schmerz verarbeiten zu können, bräuchten die Hinterbliebenen Gewissheit, ob es jemanden gibt, der Verantwortung trägt, und wenn ja, dass er auch zur Verantwortung gezogen wird."

Quelle: RP

 
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