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Papst Johannes Paul Panorama ap 2010
  Foto: AP, AP
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Seligsprechung von Papst Johannes Paul II.: "Der Wunsch von Millionen Menschen"

zuletzt aktualisiert: 14.01.2011 - 18:29

Warschau (RPO). Selbst für die Polen, die so lange für die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. gebetet haben, kommt sie nun überraschend schnell: Noch am Mittwoch rechneten Warschauer Kirchenkreise erst für den Herbst mit ihr. Umso größer ist nun die Freude, dass Papst Benedikt XVI. die Feier am Freitag bereits auf den 1. Mai terminierte.

Polens Kirche hatte sich immer wieder für eine rasche Seligsprechung ausgesprochen. Manchem Gläubigen zwischen Oder und Bug schien das dafür vorgeschriebene Verfahren zu bürokratisch. In einigen Kirchen stehen bereits seit geraumer Zeit Fotos oder Gemälde des Wojtyla-Papstes auf Seitenaltären. Bistumsleitungen schritten dagegen nur ein, wenn darunter der Spruch "Heiliger Vater, bete für uns" angebracht war, etwa 2008 in der Hafenstadt Gdynia (Gdingen).

Überschwänglich südländisch freuen sich die Polen nicht über die Nachricht aus Rom; es herrscht würdige Zufriedenheit. Mehrere TV- und Radiosender unterbrachen am Mittag ihr Programm und schalteten live nach Rom. Trotzdem spricht sich die Bekanntgabe im Land langsamer herum als der Tod des Papstes im April 2005.

Für fast alle Polen ist der einstige Krakauer Kardinal Karol Wojtyla, der 1978 zum Papst gewählt wurde und 26 Jahre lang die Kirche führte, ein Nationalheld. 97 Prozent der Bevölkerung haben eine positive Meinung von ihm, so eine Umfrage. Er ist im Land die mit Abstand meistgeschätzte Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Die Polen verdanken ihm ihre 1989 wiedererlangte Freiheit und Unabhängigkeit, davon sind fast alle Bürger überzeugt. Mit einer vielbeachteten Predigt bei seiner ersten Reise in die Heimat habe er im Juni 1979 in Warschau den Niedergang des Kommunismus eingeleitet.

Der polnische Primas Erzbischof Jozef Kowalczyk begrüßte den "äußerst schnellen Abschluss des Seligsprechungsprozesses für unseren geliebten Papst Johannes Paul II." Benedikt XVI. erfülle mit der Entscheidung den "Wunsch von Millionen Menschen", der sich schon bei der Beisetzung von Johannes Paul II. in den Rufen "santo subito" ausgedrückt habe. Der langjährige Papstsekretär und heutige Krakauer Kardinal, Stanislaw Dziwisz, sagte, "ganz Polen" freue sich. Auch er dankte Benedikt XVI. ausdrücklich.

Wie auch der Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz betonte Dziwisz, der Papst habe einen sehr guten Tag für die Seligsprechung ausgewählt. Denn auf den 1. Mai falle in diesem Jahr der von Johannes Paul II. eingeführte "Barmherzigkeitssonntag". Der Gedanke der Barmherzigkeit Gottes sei eng mit dem ganzen Leben des Heiligen Vaters hier in Polen und während seines gesamten Pontifikats verbunden.

Allerdings fragen Kirchenvertreter auch kritisch nach der künftigen Rolle von Johannes Paul II. für die Gläubigen. Der Krakauer Jesuit Jacek Prusak sagte auf Anfrage: "Es stellt sich die Frage, ob wir mehr an einen heiligen Papst als Fürsprecher bei Gott oder an Jesus Christus als Fürsprecher glauben. Wenn das erste und nicht das zweite zutrifft, dann betreiben wir ein katholisches Götzentum, von dem sich Johannes Paul II. mit aller Sicherheit distanzieren würde."

Die Polnische Bischofskonferenz verbindet mit der Seligsprechung jedenfalls die "Hoffnung auf die erneute Erinnerung an seine Lehre". Dazu hatte sie schon im April 2010 eine neunmonatige Kampagne zur Vorbereitung auf das Ereignis begonnen. In deren Mittelpunkt standen die Botschaften des Wojtyla-Papstes an seine Landsleute während der neun Pilgerreisen in die Heimat.

Zwiespältig reagieren die Polen auf die Schlagzeilen dieser Tage, wonach eine Reliquie von Johannes Paul II. in einer neuen Krakauer Kirche ausgestellt werden solle: eine Ampulle mit Blut, die von einer medizinischen Untersuchung nach einem Luftröhrenschnitt im Februar 2005 stamme.

Das Erzbistum erklärte dazu, die Ärzte der römischen Gemelli-Klinik hätten selbst beschlossen, das Blut dem damaligen Privatsekretär des Papstes und heutigen Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz zu übergeben. Die Reliquie solle aber erst nach einer Heiligsprechung in den Kapellenaltar des im Bau befindlichen Johannes-Paul-II.-Zentrums in Krakau eingesetzt werden - in einem Kristallgefäß.

Quelle: KNA/csi

 
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