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Heftige Kritik an gefilmter Selbsttötung: Deutsche Hospiz Stiftung befürchtet Nachahmer-Effekte

zuletzt aktualisiert: 11.12.2008 - 17:55

Berlin (RPO). Nach der großen Medienaufmerksamkeit in Großbritanien über die Ausstrahlung eines Dokumentarfilms über einen begleiteten Suizid ist nun auch in Deutschland das Echo aus Instituten und Politik laut geworden. Die Kritik geht durch alle Lager.

Die Ausstrahlung des Dokumentarfilms über die begleitete Selbsttötung eines Mannes im britischen Fernsehen ist bei Ärzten, Kirchen und Parteien in Deutschland auf heftige Kritik gestoßen. Die Bundesärztekammer kritisierte am Donnerstag, Sterbehilfe dürfe nicht "als scheinbar ideale Handlungsanleitung zum Freitod" inszeniert werden. Die Deutsche Hospiz Stiftung und Unionspolitiker warnten vor Nachahmer-Effekten.

"Suizid ist ansteckend, Berichte darüber lösen wieder neue Suizide aus", erklärte der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, in Berlin. Er sprach angesichts der TV-Ausstrahlung von einer "verwerflichen Inszenierung". Heftige Kritik äußerte er an der umstrittenen Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas, die den Freitod des Mannes begleitet hatte. Der Verein sei nicht qualifiziert, professionelle Sterbebegleitung zu leisten.

Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe kritisierte, durch die öffentliche Inszenierung verliere der Sterbende seine Würde. Die Zuwendung und Linderung von Schmerzen, die die Menschen bräuchten, könnten Hospize und die Palliativmedizin leisten, erklärte er. "Wenn nun aber medial dargestellt wird, dass Selbsttötung der vermeintlich leichtere Weg ist, dann wird das unverantwortliche Konsequenzen gerade für labile Menschen nach sich ziehen". Auch Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) fürchtet, dass "eine solche öffentlich inszenierte Selbsttötung" Nachahmer findet.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sprach von einer "deutlichen Grenzüberschreitung". Einen Sterbenden im Fernsehen zu zeigen sei "inakzeptabel", zumal wenn dies mit der Hoffnung auf höhere Einschaltquoten verbunden sei, sagte der EKD-Medienbeauftragte Markus Bräuer der Nachrichtenagentur AFP.

In dem Film, der am Mittwochabend im britischen Privatsender Sky Real Lives ausgestrahlt worden war und bereits im Vorfeld eine heftige Debatte ausgelöst hatte, wird das Sterben des 59-jährigen US-Bürgers Craig Ewert gezeigt. Der frühere Universitätsprofessor, der an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit litt, hatte sich 2006 in einer Klinik der Sterbehilfeorganisation Dignitas in Zürich das Leben genommen. In dem vom kanadischen Oscar-Preisträger John Zaritsky mit Zustimmung von Ewert und seiner Frau Mary gedrehten Film ist zu sehen, wie der Todeskandidat mit den Zähnen eine Zeitschaltuhr betätigt, die sein Beatmungsgerät 45 Minuten später ausschaltet.

Der Malteser Hilfsdienst appellierte an die deutschen Medien, auf eine derartige Berichterstattung zu verzichten. "Es ist zutiefst entwürdigend und pietätlos, den Akt des Sterbens sekundengenau aufzuzeichnen und auszustrahlen," erklärt der Geschäftsführende Präsident Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck in Köln.

Bosbach verwies im Nachrichtensender n-tv darauf, dass passive Sterbehilfe durchaus erlaubt sei. Er lehne es aber ab, "dass sich Organisationen oder Einzelpersonen aufschwingen und die Beihilfe zur Selbsttötung geschäftsmäßig organisieren". Um zu verhindert, dass so etwas in Deutschland passiere, seien rechtliche Vorschriften notwendig.

In Deutschland hatte zuletzt der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch eine Debatte über Sterbehilfe entfacht, weil er mehrere Menschen bei der Selbsttötung begleitet hatte. Nach einem Bericht des ARD-Magazins "Panorama" hat nach den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Kusch nun auch das Hamburger Finanzamt eine Überprüfung seines umstrittenen Sterbehilfevereins eingeleitet. Die Behörde untersuche, ob der Verein weiterhin als gemeinnützig gelten darf.

Quelle: AFP

 
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