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THW-Bergungsteam zurück aus Japan
Deutsche Retter landen in Frankfurt

Bergungsspezialisten des THW kehren aus Japan zurück
Bergungsspezialisten des THW kehren aus Japan zurück FOTO: dapd
Frankfurt/Main (RPO). Ziemlich ermüdet, aber erleichtert steht Ulf Langemeier neben seinem Sohn Falk. "Ich bin froh, wieder heil angekommen zu sein, schließlich birgt jeder Einsatz Gefahren", sagt der Leiter der in Japan eingesetzten Rettungsmannschaft des Technischen Hilfswerks (THW). Am Samstagabend landete er nach einer turbulenten Woche und einem 24-stündigen Reisemarathon gemeinsam mit 40 weiteren Einsatzkräften und drei Spürhunden wieder sicher auf dem Frankfurter Flughafen.

Einen Tag nach dem ersten Erdbeben in Japan war die sogenannte Schnelleinsatzeinheit Bergung Ausland (SEEBA) am vergangenen Samstag mit 16 Tonnen Material und dem Ziel, verschüttete Menschen zu orten und zu retten, vom Hunsrück-Flughafen Hahn aufgebrochen.

Man sei damals in eine "unbekannte Vision abgereist", sagt THW-Präsident Albrecht Broemme. Zwar habe man sich über die Hilfsanfrage der Japaner gefreut, doch die Lage sei angesichts der dreifachen Gefahr aus Nachbeben, Tsunamis und radioaktiver Strahlung mehr als schwierig gewesen.

Große Dankbarkeit

Nach der Landung in Tokio sei die Rettungsmannschaft dann in das zugewiesene Einsatzgebiet in Tome im Norden des Landes gereist, berichtet Broemme. Vor Ort hätte Tsunamiwarnungen und andere Probleme jedoch immer wieder das Vorrücken der Hilfskräfte in die betroffenen Bezirke verhindert.

Am Dienstag sei der Einsatz in Absprache mit den japanischen Behörden dann endgültig abgebrochen worden, weil 100 Stunden nach dem ersten Erdbeben keine Chance mehr bestanden habe, Verschüttete zu finden.

Etwas enttäuscht sei sie schon, dass keine Verschütteten gerettet werden konnten, sagt Georgia Pfleiderer aus Sinzig in Rheinland-Pfalz. Dennoch sei der Einsatz nicht umsonst gewesen, betont sie. Die internationale Solidarität habe den Japanern viel Mut gemacht. "Ich war beeindruckt von der großen Dankbarkeit dort", sagt sie.

Ein älterer Mann habe ihr beispielsweise Musikkassetten und Spielkarten geschenkt und auf diese Weise versucht, seine Dankbarkeit auszudrücken. Auch die Ruhe und Disziplin, mit der die japanische Bevölkerung mit der Katastrophe umgehe, sei bewundernswert.

Jederzeit auf dem Laufenden

Zu keiner Zeit sei die Rettungsmannschaft im Übrigen in Gefahr durch radioaktive Strahlung gewesen, erklärt Mannschaftsleiter Langemeier. Auch wenn man sich zeitweise nur 80 Kilometer vom Unglücksreaktor Fukushima befand, habe man die Lage jederzeit zu 100 Prozent im Griff gehabt.

Die eigenen Messgeräte hätten zu keiner Zeit erhöhte Strahlung angezeigt. Durch einen Verbindungsoffizier der Japaner sei man zudem immer auf dem Laufenden gewesen, sagt der Rettungsexperte aus dem hessischen Zwingenberg.

Man habe nach Ende des Einsatzes versucht, weitere Gebiete zugeteilt zu bekommen, was jedoch abgelehnt wurde. Einzig von der deutschen Botschaft zugeteilte 20 Zivilisten habe man eingesammelt und mit nach Deutschland genommen.

Alles in allem sei es also ein eher chaotischer Einsatz gewesen, der sich dennoch gelohnt habe, sagt Langemeier. Ähnlich sieht es auch THW-Präsident Broemme: "Es wäre ein Armutszeugnis gewesen, wenn wir nicht wenigstens versucht hätten zu helfen."

(apd)
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