Am Gipfel erblindet: Deutscher Bergsteiger kommt am Mount Everest ums Leben
zuletzt aktualisiert: 26.05.2006 - 06:26Sydney (rpo). Bei seinem Aufstieg auf den Mount Everest ist der deutsche Bergsteiger Thomas Weber ums Leben gekommen. Rund 50 Meter vor dem höchsten Punkt des Berges sei der sehbehinderte Deutsche komplett erblindet, schildert Expeditionsführer Alexander Abramov. Beim Abstieg sei er dann erst bewusstlos geworden und schließlich gestorben.
Widersprüchliche Berichte gab es zum Tod des berühmten australischen Bergsteigers Lincoln Hall: Nach Berichten des russischen Expeditionsleiters kam auch er beim Abstieg vom Gipfel ums Leben. Ein anderer australischer Bergsteiger berichtete dagegen am Freitag, offenbar sei Hall noch am Leben. Ein Rettungsteam versuche, ihn vom Mount Everest zu tragen.
Der sehbehinderte Deutsche Thomas Weber sei rund fünfzig Meter vor dem Gipfel komplett erblindet, teilte Expeditionsführer Alexander Abramow am Freitag auf einer Everest-Website mit. Auf dem Weg nach unten sei er gestorben. "Thomas sagte: 'Ich sterbe' und verlor das Bewusstsein", berichtete Abramow. Kurz nach Mittag sei sein Tod festgestellt worden.
Der Australier Hall, der zur selben Expedition gehörte, hatte laut Abramow den Gipfel erreicht, brach beim Abstieg dann aber wegen extremer Höhenkrankheit mit Gehirnödemen zusammen. Zwar habe der 50-Jährige weiter mit seinen Freunden per Funk sprechen können, als Sherpas versuchten, ihn den Berg hinunterzubringen. Neun Stunden später sei er aber gestorben, erklärte Abramow auf der Website.
Rätsel um australischen Bergsteiger
Der australische Bergsteiger Duncan Chessell berichtete dagegen später, der 50-jährige Hall sei möglicherweise noch am Leben: Den Sherpas, die Hall geholfen hätten, sei der Sauerstoff ausgegangen und sie seien daraufhin abgestiegen, um ihr eigenes Leben zu retten. Ein anderer Everest-Bezwinger habe den zurückgelassenen Hall später noch lebend gefunden und mit heißem Tee und Sauerstoff versorgt. Daraufhin habe Expeditionsleiter Abramow sofort ein Team von zwölf Sherpas mit frischem Sauerstoff und einer Trage losgeschickt, um Hall möglicherweise noch zu retten.
Hall war einer der erfahrensten australischen Bergsteiger. Er gehörte 1984 zur ersten australischen Everest-Expedition. Außerdem ist er Autor mehrerer Bücher, in denen er sein Bergsteiger-Leben verarbeitete.
Die Rekordzahl von bislang mindestens 14 Toten in dieser Saison am Mount Everest könnte laut Abramow mit dem außergewöhnlich guten Wetter zusammenhängen. Dadurch hätten sich mehr Menschen als sonst auf den Gipfel gewagt. "Bei härteren Bedingungen hätten sie den Aufstieg wohl weiter unten abgebrochen", sagte Abramow. Im Zusammenhang mit einem der Todesfälle hatte der legendäre Everest-Erstbesteiger Edmund Hillary vor wenigen Tagen schwere Vorwürfe gegen mehrere Bergsteiger erhoben: Sie hätten bei ihrem Aufstieg auf den Mount Everest am 15. Mai einen sterbenden Briten einfach am Wegesrand liegenlassen.
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