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Facebook-Post
Warum die "absurde" Umarmung zweier Frauen um die Welt ging

Die "Absurde" Umarmung zweier Frauen geht um die Welt
Dieses Bild und der dazgehörige Kommentar zogen die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf sich. FOTO: Nelson Felippe/Facebook
Düsseldorf. Nelson Felippe lebt in Brasilien und ist Pendler. Eine Szene am Bahnhof verärgert ihn, woraufhin er ein Foto auf Facebook postet. Sein Kommentar dazu löst zunächst Empörung aus. Dann wird klar, dass er auf kreative Weise zeigt, dass gesellschaftliche Toleranz und Akzeptanz auch heute noch keine Selbstverständlichkeit sind.

"Ich habe keine Vorurteile - ich bin der Meinung, dass Leute mit ihrem Leben das machen sollen, was sie möchten", schreibt Felippe. "Aber ich finde es absurd, dass ich so eine Szene mitansehen muss. Was Leute in ihrem Privatleben machen, ist ihre Sache, aber was sie in der Öffentlichkeit tun, betrifft auch mich. Und ich lehne es ab, eine Szene wie diese als normal zu betrachten."

Felippe geht noch einen Schritt weiter: "Soziale Konventionen herauszufordern, kann gefährlich sein. Was, wenn eine Tragödie passiert, oder schlimmer: jemand stirbt - wem gibt man die Schuld? Was würde mit einem Kind passieren, das diese Szene jeden Tag zu Gesicht bekommt?"

Não sou preconceituoso, acho que cada um faz o que quer da sua vida. Mas acho um absurdo eu ser obrigado a presenciar...

Posted by Nelson Felippe on Tuesday, 7 April 2015

Da im Vordergrund des Bildes zwei sich umarmende Frauen stehen, sieht es auf den ersten Blick so aus, als ob Nelson Felippe seine Kritik auf das lesbische Pärchen bezieht. Doch liest man weiter, wird klar, was er eigentlich meint: "Kinder werden denken, dass es normal ist, auf der gelben Linie auf die U-Bahn zu warten", schreibt Felippe.

"Nehmen Sie sich die beiden Mädchen als Vorbild: Stehen Sie hinter der gelben Linie und überschreiten Sie sie erst, wenn der Zug steht und die Türen aufgehen." Jetzt wird klar: Es ging die ganze Zeit um den Mann im Hintergrund, der sich gefährlich nah am Gleis befindet und die gelbe Linie überschreitet. Die Frauen hingegen sollen als gutes Vorbild dienen.

Der Mann im Hintergrund überschreitet die gelbe Linie. FOTO: Nelson Felippe/Facebook

Der spontane Facebook-Post löste eine Welle von begeisterten Kommentaren aus und verbreitete sich viral im Netz: Felippe macht sich auf sehr kreative Weise mit dem gewählten Wortlaut über erzkonservative Meinungen zu gleichgeschlechtlichen Paaren und deren Auftreten in der Öffentlichkeit erfolgreich lustig und macht deutlich, dass in diesen Punkten noch eine Menge zu tun ist.

(RPO)
 
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