Zeremonie in Indien: Die Eunuchen-Hochzeit von Ahmedabad
zuletzt aktualisiert: 15.07.2009 - 07:45Ahmedabad (RPO). Eunuchen kennen viele Europäer nur noch aus Abenteuerfilmen und historischen Orient-Romanen. In Teilen Indiens leben aber noch heute viele Kastraten. Die Mehrheit kleidet sich als Frauen. Eunuchen kämpfen seit vielen Jahren um gesellschaftliche Anerkennung. In Ahmedabad fand jetzt eine Massenhochzeit statt.
Einige hundert Eunuchen aus dem ganzen Land waren am Sonntag in die westindische Stadt Ahmedabad gekommen. In einem festlich geschmückten Saal gaben sich zwanzig Paare das Ja-Wort. Die Kastraten trugen rote Kleider und goldene Schleier. Beine, Hände und Füße waren mit Henna-Malereien verziert. Am Ende der Zeremonie nahmen alle Paare auf der riesigen Bühne Platz. Denn diese Hochzeiten waren nicht nur ein Fest. Sie waren auch eine Demonstration für mehr Rechte.
Kampf um Bürgerrechte
Eunuchen haben in Indien kaum Chancen auf Selbstverwirklichung. Das Wort wird als Sammelbegriff für Transsexuelle, Männer in Frauenkleidern und Kastraten benutzt. Eunuchen in Indien haben keine Möglichkeit, einen richtigen Beruf zu erlernen. Ein Teil verdient sich durch Betteln an Straßenkreuzungen seinen Unterhalt. Andere gehen in den Slums von Neu Delhi oder Mumbai auf den Strich.
Kastraten
Man unterscheidet zwischen Früh- und Spätkastraten. Frühkastraten werden vor der Pubertät entmannt. Die körperlichen Folgen sind immens. Entwicklungen wie Stimmbruch oder Bartwuchs bleiben aus. Bei Spätkastraten erfolgte die Entmannung nach dem 20. Lebensjahr. Die Nachfolgeerscheinungen der Kastration sind weniger drastisch.
Langsam zeigen öffentlichkeitswirksame Aktionen der Eunuchen aber auch Wirkung. Vor einiger Zeit verabschiedete die Regierung ein Gesetz, dass es Eunuchen erlaubt ein "E" als Geschlechtsangabe im Ausweis zu führen. Ein kleiner symbolischer Erfolg. Schlechter steht es um ihre Rechte bei öffentlichen Wahlen. Dort muss man sein Geschlecht bei der Registrierung eindeutig angeben. Viele Eunuchen bleiben von der Stimmabgabe ausgeschlossen.
Eunuchen gab und gibt es zu beinahe jeder Zeit der Weltgeschichte. Die Entmannung wurde in einigen Fällen als drastische Strafe vollzogen. In anderen Kulturen war sie jedoch Vorraussetzung für hohe Ämter in der Regierung. In Mesopotamien wurden Eunuchen wichtige Beamte. In China nahmen Palasteunuchen eine wichtige Stellung ein. Im Orient bewachten stets Eunuchen den Harem des Herrschers.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum