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Flaschenpost aus Auschwitz: "Die größte Überraschung meines Lebens"

zuletzt aktualisiert: 29.04.2009 - 17:01

Allauch (RPO). Im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz wurde eine Flaschenpost gefunden. Vor beinahe 65 Jahren haben Gefangene ihre Namen auf einen Zettel geschrieben und in der Flasche versteckt. Auf dieser Liste steht auch Albert Veissids Name. Für den 84-jährigen Franzosen ist die eingemauerte Flasche und die Liste die "größte Überraschung" seines Lebens. Über eine eventuell enthaltene Botschaft will die Gedenkstätte in den nächsten Tagen informieren.

Albert Veissid kann sich nicht erklären, wie sein Name und seine Häftlingsnummer in die Flaschenpost geraten sind. "Ich erinnere mich an alles im Lager, von A bis Z", sagt der 84-jährige Franzose, der im Zweiten Weltkrieg ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden war und es als einer der wenigen jüdischen Gefangenen überlebte. Dass polnische Bauarbeiter jetzt eine eingemauerte Flasche in einem Teil des ehemaligen Lagers fanden, in der auf einer Liste sein Name und die von sechs weiteren Häftlingen stehen, stellt Veissid vor ein Rätsel - "die größte Überraschung meines Lebens".

"Ich wüsste gern, was drinsteht", sagt Veissid, der nach der Befreiung des Lagers im heutigen Polen im Januar 1945 nach Frankreich zurückkehren konnte und heute in der Nähe von Marseille lebt. "Es können ja nicht nur Namen drinstehen, es muss auch eine Botschaft dabeisein." Die Auschwitz-Gedenkstätte hatte zu Wochenbeginn den Fund der Flaschenpost vom 20. September 1944 bekannt gegeben; ob neben den Namen auch eine Botschaft darin enthalten ist, blieb zunächst unklar - die Gedenkstätte will in den nächsten Tagen darüber informieren.

Erinnerung an die anderen Namen

Veissid kann sich erinnern, den sechs anderen Gefangenen in dem Konzentrationslager begegnet zu sein. Er habe als Maurer an einem Luftschutzraum für die Deutschen gearbeitet, nachdem er im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert wurde, sagt der 84-Jährige, der in Allauch in Südfrankreich zuhause ist. Den sechs inhaftierten Polen habe er bisweilen einen Gefallen getan - "die haben oft Marmeladeneimer geklaut, die ich versteckt habe". Vielleicht hätten sie deshalb "zum Dank" auch seinen Namen auf die Liste geschrieben, die sie in der Flasche versteckten, mutmaßt Veissid.

Der Franzose war gerade 20 geworden, als er in das Konzentrationslager gebracht wurde. In Konstantinopel - dem heutigen Istanbul - geboren, war er als Kleinkind mit seiner Familie nach Frankreich gekommen; bis zu seiner Festnahme im Sommer 1943 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Musiker und Verkäufer. Nach seiner Rückkehr musste er drei Jahre lang in einem Sanatorium behandelt werden. "Ich war ein wandelndes Knochengerüst", sagt Veissid. "Noch eine Woche länger, und ich wäre nicht zurückgekommen. "

Veissid spricht nicht gern über diese Zeit. Viele andere Überlebende hätten danach Vorträge in Schulen gehalten, "ich habe das nie getan". Aber diese Geschichte mit der Flaschenpost habe ihn aufgewühlt. Sie habe ihn zum Reden gebracht, sagt der alte Mann und lächelt. "Das ist eine Revolution für mich."

Quelle: AFP

 
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