kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast

Tsunami-Frühwarnsysteme: Die Warnung kam für viele zu spät

VON SEBASTIAN KUNIGKEIT - zuletzt aktualisiert: 30.09.2009 - 14:40
Düsseldorf (RPO). Die Menschen auf den Samoa-Inseln im Pazifischen Ozean wurden offenabar vor dem Tsunami gewarnt. Dennoch konnten viele sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen, denn die Flutwelle erreichte nur wenige Minuten nach der Warnung die Küste. Die Meldung kam zu spät, kritisieren Experten aus Deutschland.

Auf Samoa funktioniert das Tsunami-Frühwarnsystem über Textnachrichten, die aufs Handy geschickt werden. Auch Radio-Sender verbreiteten nach Medienberichten die Warnungen. Das Epizentrum des Bebens, das die Flutwelle ausgelöst hatte, lag aber nur 120 Meilen (knapp 200 Kilometer) von der samoanischen Hauptstadt Apia entfernt.

Daher blieb den Küstenanwohnern nur wenig Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. "Wenn das Beben direkt vor der Küste passiert, ist die Vorwarnzeit gleich Null", erklärte Professor Rainer Kind, Leiter der Sektion Seismologie am Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam auf Anfrage unserer Redaktion. "Je weiter man vom Epizentrum entfernt ist, desto besser", fuhr er fort. 

"Die Warnung kam eigentlich zu spät", sagte auch der deutsche Honorarkonsul auf Samoa, Arne Schreiber, dem WDR-Hörfunk. Auch der samoanische Vize-Regierungschef Misa Telefoni bestätigte diese Darstellung. Der Herausgeber der Zeitung "Samoa Observer", Russell Hunter, sagte dagegen dem Sender CNN, es habe gar keine Tsunami-Warnung gegeben, der Alarm sei erst nach den Flutwellen gekommen.

Im Pazifik gibt es schon lange ein Tsunami-Frühwarnsystem. Das amerikanische "Pacific Tsunami Warning Center" auf Hawaii wurde 1949 eingerichtet, nach einem schweren Erdbeben auf den Aleuten. Dieses hatte 1946 einen Tsunami ausgelöst, bei dem 165 Menschen auf Hawaii und in Alaska ums Leben kamen.

Allerdings konzentriert sich dieses System auf den nördlichen Pazifik. Der südliche Teil des Ozeans, wo die jetzt betroffenen Inseln liegen, werde mit abgedeckt – allerdings mit einer geringeren Dichte an Bojen und Sensoren, sagte Rainer Kind.

Indonesisch-Deutsches Frühwarnsystem im Indischen Ozean

Er kennt sich mit Frühwarnsystemen aus. Nach dem verheerenden Tsunami, der im Dezember 2004 die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans verwüstet hatte, wurde auch dort der Aufbau eines Warnsystems in Angriff genommen – mit deutscher Unterstützung. Das GFZ beteiligte sich am Aufbau des indonesischen Teilsystems.

Die Tsunami-Frühwarnsysteme bestehen in der Regel aus zwei Komponenten. Zum einen ein dichtes Netz von Erdbeben-Sensoren. Denn wenn der Meeresgrund bebt, kann dies Wellen auslösen, die mit 900 km/h durchs Meer jagen. Bis sie auf eine Küste treffen, langsamer werden und sich zu einer viele Meter hohen, tödlichen Wasserwand auftürmen.

"Die meisten Tsunamis werden durch Erdbeben hervorgerufen", sagte Rainer Kind. Wichtig sei es, Erdbeben möglichst schnell zu lokalisieren und ihre Stärke zu bestimmen. "Das klappt mittlerweile weltweit in kürzester Zeit, 2004 hat die Ermittlung der Stärke teilweise noch Tage gedauert."

Außerdem messen Drucksensoren am Meeresboden die Schwankungen der Wassersäule, die auf ihnen lastet. Diese Daten senden sie drahtlos an sogenannte DART-Bojen, die zusätzlich die Bewegung der Meeresoberfläche messen. Die Daten werden verknüpft, die normalen Wellenbewegungen herausgerechnet.

Bevölkerung muss den Ernstfall üben

Für das Warnsystem im Indischen Ozean hat das GFZ das erprobte Verfahren aus dem Pazifik weiterentwickelt. Eine neue Software erlaubt es, die Daten deutlich schneller auszuwerten – ein entscheidender Vorteil im Kampf gegen die Zeit. Wenn ein Tsunami gemessen wird, modelliert das automatische Verfahren sogleich, wie groß die Flutwelle ist und welche Küstenabschnitte bedroht sind. Schon nach wenigen Minuten können so die lokalen Behörden informiert werden.

"Was bleibt, ist das Problem der letzten Meile", betonte Rainer Kind. Bei Tsunami-Alarm werden die die Warnungen auf allen möglichen Wegen verbreitet - über Internet, SMS, Radio, Fernsehen oder Sirenen. Die Bevölkerung müsse aber über die Bedeutung der Warnungen informiert werden und regelmäßig das Verhalten im Ernstfall üben, unterstrich der Professor: "Das ist ein lokales Problem, wir unterstützen Indonesien aber beratend."

Quelle: AFP, AP, sku

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Die Bundesanwaltschaft hat zwei weitere mutmaßliche Unterstützer der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ... mehr 

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Die angestrebte Energiewende macht Elektrizität teuer - für viele Verbraucher so teuer, dass sie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen könn ... mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Tragischer Unfall am Bahnhof

Reisende von Wasserschlauch erschlagen

"Auszehrung und Flüssigkeitsmangel"

Kleinkind stirbt an Verwahrlosung

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Jugendliche verprügeln Frauen in Mönchengladbach

Polizei hofft auf Videomaterial aus Aachen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Trailer "James Bond Skyfall"

In dem neustens Fall wird Bonds Loyalität seiner Chefin M gegenüber auf eine harte Probe gestellt, als seine Vorgesetzte von ihrer ... mehr 

Kick it like Donna

Dieser Elefant liebt das Fußballspielen

Wenn Donna mit dem Ball über den Platz rast, bebt die Erde und alle Gegenspieler sollten besser das Weite suchen. Denn Donna ist ein zwei Jahre alter Elefant und kennt kein Halten mehr, wenn sie ihren Riesenfußball in den Rüssel bekommt. mehr

 

Zahlreiche Gebäude eingestürzt

Mehrere Tote durch Erdbeben in Italien

 

Martyrium einer 19-Jährigen in Bosnien

Festgehaltenes Mädchen will nach Deutschland

 

Fleisch aus Gesicht von Opfer gebissen

Nackter Kannibale wohl identifziert

 
 
Top-Services